Das Geheimnis ewiger Jugend und Schlankheit

Mädels, ihr seid so berechenbar! So durchschaubar und so unverbesserlich. Ich möchte eine kleine Anekdote erzählen die mich zum Schmunzeln bringt und nachdenklich macht. Nein, eine Anekdote ist es nicht, es ist eher ein sich wiederholendes Erlebnis, das mich immer wieder auch ein wenig zum Kopfschütteln bringt. Egal auf welchen Plattformen ich mich so herumtreibe, egal ob offline oder online. Egal ob ich es bin oder jemand anders, der erwähnt, dass er viel Gewicht verloren hat. Immer wird sie kommen, die eine Frage, tausendfach gestellt:

 

„Bitte sag mir, wie hast du das geschafft? Ich will das auch schaffen“

 

Ich verrate euch nun ein Geheimnis. Und ihr dürft es sogar weitersagen:

 

Wenn man viel Gewicht verliert steckt entweder verdammt viel Disziplin, eine Krankheit, oder eine bariatrische OP mit verdammt viel Disziplin, Schmerzen und Verzweiflung dahinter. Jedes Wundermittel wird euch früher oder später die Kilos wieder auf die Hüften treiben. So oder so ist es immer ein harter Weg. Niemals leicht. Diäten sind schlecht. Diäten versprechen nur kurzfristigen Erfolg. Jedes Pülverchen und Wunderlebensmittel ist nur so gut wie die Disziplin die hinter dem Einnehmer steht. Und jede Magenverkleinerung wirkt nur, wenn man sich trotzdem und den Rest seines Lebens diszipliniert. Es gibt einfach kein Wunder, auch wenn sich das viele wünschen 🙂 (Ja, auch ich träume manchmal von der Fee, die mir einfach mal 20 Kilo über Nacht herunterzaubert). Ich wurde extrem übergewichtig, weil ich 20 Jahre lang versuchte, einem Ideal hinterherzuhungern, dem ich niemals entsprechen kann. Weil ich nicht die Anlagen dazu habe. Weil ich Menschen vertraut habe die mir sagten, tu dies und tu das, dann wirst du schlank und glücklich. Iss 500 Kalorien, nimm diese Tablette, iss keine Kohlenhydrate mehr, iss kein Fett mehr, treibe jeden Tag 3 Stunden Sport, nimm dieses Pülverchen und drehe dich drei Mal bei Vollmond nackt unter einer Linde im Kreis. Ich habe alles gemacht. Naja außer das mit dem Vollmond….

Und was ist passiert? Ich war irgendwann kaputt, ausgelaugt, der Körper machte schlapp und holte sich im Anschluss das was er wollte: Kalorien, ganz viel davon!

 

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Wohlfühlen ist übrigens nicht nur in Größe 36 möglich. 

 

Ich verurteile niemanden der sein Gewicht reduzieren möchte, denn ich habe dies selbst getan und tue es noch immer. Ich verurteile aber Diäten, selbsternannte Wunderheiler und alle die meinen, richtig Kasse mit den Hoffnungen und Träumen der Menschen machen zu müssen. Ebenso all jede „die es doch immer nur gut gemeint haben“ und gefährliches Halbwissen verbreiten, das angeblich die Pfunde schmelzen lässt. Ich war z.B. über viele Jahre der Meinung, man nimmt nur ab, wenn man sich alles verbietet und jeden Tag Sport treibt. Meine erste Diät brach ich ab, weil ich mir nach 3 Wochen der Selbstkastei eine Milchschnitte heimlich gegönnt hatte und danach der Meinung war, alles ist umsonst, ich bin schwach und wertlos.

 

Eine weitere brach ich ab, weil ich mein übermäßiges Sportpensum irgendwann nicht mehr schaffte. Ich hatte nämlich irgendwo von einem Mann gelesen, der 80 Kilo abnahm, weil er jeden Tag 3 Stunden Sport machte. Also fing ich an, das selbe zu tun. Schwimmen, Radfahren, Tanzen, walken. Jeden Tag. Bis zur Erschöpfung. Und bis zum erneuten Zusammenbruch.

Ja, ich habe mich zur Ultima Ratio entschieden. Mein Magen ist nun kleiner, aber meine Probleme werden immer dieselben sein. Das ist etwas, was ich von Anfang an wusste und was ich an euch weitergeben möchte. An all jenen die denken, eine OP sei ein Zauberspruch und die ultimative Lösung. Die OP macht euch nicht in 2 Wochen schlank. Ihr müsst euch trotzdem weiterhin disziplinieren, denn auch wenn man weniger essen kann, kann man das falsche Essen. Und deshalb sind meine Ratschläge für alle, nicht nur die, die sich eine OP überlegen.

 

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Ihr seid mehr als eine Zahl auf der Waage. Wenn ihr euch darüber bewusst werdet, müsst ihr euch auch nicht mehr an jeden Quacksalber hängen, der euch ewige Schlankheit verspricht. So wie ich hier im Titel 🙂

 

Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Ich habe mich viel belesen. Ich habe viel mit Ernährungsberatern, Coaches und anderen Betroffenen geredet. Und gemerkt, für jeden gibt es einen Weg, aber der ist nicht für jeden der identische.

 

Und nun verrate ich euch doch noch was. Es gibt eine Zauberformel und sie funktioniert bei einem gesunden Menschen in fast allen Fällen: Bewegung und Ernährung.  Und natürlich gibt es Krankheiten Stoffwechselerkrankungen und genetisch bedingtes Übergewicht. Aber selbst wenn man dadurch nicht abnimmt, weil andere Ursachen das Übergewicht begünstigen, ja selbst wer gar nicht abnehmen will, sondern nur gesünder Leben:  Wer bewusst isst, sich bewegt und auf seinen Körper hört, hochwertige Lebensmittel konsumiert, Fast-Food zur Ausnahme macht und sich ein bisschen über die Zusammensetzung der Nährstoffe und deren Bedeutung beschlaut, der ist schonmal auf der Gewinnerstraße. Bei unserem heutigen Überangebot an schlechten Lebensmitteln, leeren Kalorien ohne wirklichen Nährwert, müssen wir uns nicht wundern, wenn wir auf der Strecke bleiben. Aber selbst für sich auszuloten, was gut tut und was nicht, das muss jeder Individuell für sich entscheiden.

Ich reduziere z.B. Weizen und Industriezucker. Andere verzichten ganz auf Gluten, essen kein Fleisch mehr oder kommen mit verarbeiteten Lebensmitteln nicht klar. Jeder sollte anfangen auf seinen Körper zu hören, was will ich wirklich, was brauche ich wirklich? Was signalisiert mir mein Körper gerade? Und was davon will einfach nur meine Seele haben?

 

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We can do it! Show your Schwabbelarme! Verstecken war gestern! 

 

Auch beim Sport muss jeder seinen Weg finden. Ich habe für mich einen gefunden, und der heißt Kraftsport und Schwimmen. Das sind Sportarten die mir (meistens) Spaß machen. Aber sicher ist das nicht für jeden geeignet. Wichtig finde ich aber, immer in Bewegung zu bleiben. Ich selbst bin durch einen Teufelskreis der Resignation gegangen, keine Bewegung weil Schmerzen, führte zu Gewichtszunahme führte zu noch mehr Schmerzen und noch weniger Bewegung. Am Ende war ich froh, wenn ich noch 500 Meter schaffte, ohne nach einem Bänkchen Ausschau zu halten.  Heute, nach nur einem halben Jahr, kann ich wieder mehrere Kilometer laufen, mehrere Stockwerke Treppen ohne oben das Sauerstoffzelt zu brauchen.

Und ich sags euch, wenn jeder Spaziergang zur Qual wird, jeder Ausflug zum Höllentrip, jede Städtereise zum Schmerzolymp, dann lernt ihr Beweglichkeit zu schätzen.

Die Hölle kommt schleichtend und nicht von heute auf morgen.

 

Wisst ihr, was rückblickend mein größtes Problem war? Dass ich mir einreden ließ, ich sei faul. Ich habe erst jetzt gemerkt, dass ich nicht faul war. Nicht fauler als jeder andere Mensch, der einfach mal gerne die Sofaanziehungskraft für sich nutzt. Ich habe immer Sport getrieben, mal mehr, mal weniger gerne. Schon als Kind. Ich war nur einfach immer mehr als andere. Weil ich eben nun mal so bin.

Weil ich mir das einreden ließ, habe ich mich immer geschämt, wenn ich mal keinen Sport machte. Wenn ich mal nicht irgendwo hingelaufen bin. Und ich dachte, ich muss es allen beweisen. Dieser Druck hat mich zermürbt.

 

Deshalb ist es mir auch so wichtig euch zu vermitteln: Ihr seid okay, wenn ihr euch okay damit fühlt. Lasst euch von anderen nicht einreden, dass ihr es nicht seid. Und wenn ihr merkt, dass ihr aus der Gewichtsspirale nicht mehr herauskommt, dann sucht euch professionelle Hilfe, hinterfragt aber nebenbei auch immer, ob dieser Weg der euch dort genannt wird, für euch der richtige ist. Niemand kann in euch hineinblicken und sagen, ob ihr der Typ für den nächsten Halbmarathon seid oder doch lieber zum Linedance geht. Ob ihr Punktezähler oder Kalorienrechner seid, oder euch besser auf euer Körpergefühl verlasst.  Es gibt nicht DAS Ultimative Programm, auch wenn sich Menschen gerne daran klammern.

Ich ziehe mir gerne aus vielen Infos die plausibelsten und angenehmsten heraus. Ich habe jahrelang versucht, morgens Müsli oder Joghurt mit Früchten in mich hineinzustopfen, weil dies auf sämtlichen Ernährungsplänen steht. Ich habe mich teilweise fast übergeben, weil mir sowas morgens einfach nicht schmeckt. Erst seit ich aufgehört habe, mich an irgendwelche Dogmen zu klammern, kann ich das Essen wieder genießen. Und ja, wenn ich dazu ein Omelette mit Schinken in die Arbeit mitnehmen muss und die Zwischenmahlzeit 2 Scheiben Käse sind, dann ist das eben so. Dann bin ich jemand, der morgens sein Eiweiß braucht und eben nicht, wie immer alle empfehlen, die Kohlenhydrate.

Ich mache mir keinen Stress mehr. Ich beschäftige mich noch immer sehr viel mit Ernährung, aber das halte ich auch für richtig und wichtig, um auszuloten, was dem Körper guttut.

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„Streets are the real runway“

 

Jetzt ist das hier doch wieder ein halber Roman geworden. Aber Ich denke, meine Message ist klar geworden. Es gibt kein Wundermittel, es gibt nicht DEN richtigen Weg und vor allem, lasst euch von niemandem einreden, was ihr zu tun und zu lassen habt. Kleine Sünden oder faule Tage gehören dazu und Pausen sind wichtig.  Und vor allem: horcht in euch hinein! Wenn ihr euch eigentlich gut findet – dann seid ihr das mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auch!

 

liebe Grüße, eure Unterschrift

 

Titelbild by kaboompix.com

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