Mein Weg zurück ins Leben // Teil I

DSC_3859_insta

 

Mein letzter Beitrag zum Thema bariatrische Operation hat recht hohe Wellen geschlagen, es kamen unglaublich viele Fragen auf, die ich beantwortet habe und ich habe gemerkt, dass euer Interesse riesig ist. Deshalb möchte ich euch in 3 Teilen meine ersten Schritte in dieses neue Leben erklären, die wichtigsten Fragen beantworten und euch noch zeigen, wie ich mittlerweile lebe, esse, trainiere und wie es mir geht.

 

Meine Operation für die Sleeve-Gastrektomie war am 06. Januar 2016.

 

Was mir wichtig ist: Ich möchte KEINE Werbung für solch eine Operation machen. Denn dies sollte immer die Ultima Ratio, das allerletzte Mittel sein, wenn das Übergewicht lebensbedrohlich wird (psychisch und physisch) oder massive körperliche Einschränkungen der Fall sind. Nur um ein paar Kilo zu verlieren, weil man sich gerade nicht mag, ist KEIN Grund, sich unter das Messer zu legen, um schnell und einfach abzunehmen. Denn einfach ist auch dieser Weg nicht, auch wenn das immer viele denken (und ja, auch ich dachte früher so!)

 

  1. Wann kam die Entscheidung zu diesem Schritt?

Das ist ziemlich genau 1 Jahr her, ich war nach Jahren mal wieder beim Hausarzt weil ich die Grippe hatte – ich hatte Ärzte lange Zeit vermieden, denn die Pauschaldiagnose „Adipositas“ für jede Krankheit vom Husten bis zum Zehenbruch kannte ich ja bereits. Außerdem wollte ich mir nicht ständig ein schlechtes Gewissen einreden lassen, dass ich etwas ändern muss. Ihr kennt ja die 3 Affen 😉

Aber nun war ich beim Arzt, hatte einen Blutdruck der mir Angst machte und einen Puls kurz vor dem Kammerflimmern (kann übertrieben sein ;-)). Also holte ich mir die obligatorische Schimpfe ab und regte mich ziemlich auf, dass mir gleich eine Magenverkleinerung angeraten wurde. Denn ich war wirklich absolut dagegen, mir irgendwas wegschnippeln zu lassen, was nicht unbedingt sein muss. Die weiteren Monate ging es mir dann aber immer schlechter. Ich möchte hier nicht alle Erkrankungen und Probleme ausführen, da mir das doch etwas zu privat ist. Aber irgendwann kam der psychische Zusammenbruch und die Entscheidung: jetzt muss was passieren. Im August 2015 hatte ich dann einen Termin in einem Adipositaszentrum und ließ mich über eine bariatrische Operation aufklären.

 

  1. Wie lang war der Weg bis zur Operation?

Bei mir war er ehrlichgesagt nicht allzu lang – nur ein halbes Jahr lagen zwischen dem Erstgespräch und der Operation. Ab einem bestimmten BMI kann der Weg bis zur OP verkürzt sein – im Normalfall muss man aber vorher ein mindestens halbjähriges Programm, ein Multimodales Behandlungskonzept bestehend aus Sportprogramm, Ernährungsberatung und Psychotherapie absolvieren. Ein BMI von mindestens 35 ist ebenfalls Voraussetzung.

Dann muss man einen Antrag an die Krankenkasse stellen, der sämtliche Untersuchungsbefunde sowie ein persönliches Motivationsschreiben beinhaltet. Ich hatte noch meine Diätgeschichte inklusive Gewichtsverlauf der letzten 20 Jahre in einem Diagramm festgehalten. Meine Genehmigung folgte nach nur 3 Tagen, wenn ich die OP im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf durchführen lasse (eine Partnerklinik meiner Krankenkasse). Nach einer Nacht Bedenkzeit stimmte ich zu, denn mein Leidensdruck war enorm.

 

  1. War die OP sehr schmerzhaft?

Ich will jetzt nicht wehleidig klingen, aber: MIMIMIMIMI!

Ja, ich hatte starke Schmerzen, vor allem in der ersten Woche. Der erste Tag und die erste Nacht waren für mich die Hölle auf Erden, ein Kreislauf aus Magenkrämpfen, Erbrechen, massive Rückenschmerzen und eindeutig zu wenig Schmerzmittel. Und glaubt mir, es gab nur wenige Momente in meinem Leben, die unglamouröser waren, als im Flügelhemnd heulend in meinem eigenen Erbrochenen aus Blut und Kamillentee zu liegen und nichtmal an die Klingel für die Schwester zu kommen.

Ich führe noch ein privates OP-Tagebuch, daraus zeige ich euch ein paar Auszüge:

IMG-20160105-WA0015_zpsbgpdtkot

Flügelhemd und Netz-Schlübbi liegen schon bereit.

 

„Leider ging alles schon fast ein bisschen zu schnell, denn die berühmte „Scheißegal-Pille“ die ich mir verabreichen ließ, zeigte noch überhaupt keine Wirkung, als die Jungs vom Krankentransport mich abholten (ich wurde in einem anderen Gebäude operiert und musste ca. 100 Meter mit dem Krankenwagen fahren). Kaum wurde ich aus dem Zimmer geschoben, heulte ich dann auch schon wie ein Baby. Tausend Millionen Gedanken gingen mir durch den Kopf.

 

 Warum hast du es nur so weit kommen lassen, dass DAS hier notwendig ist?? 

Was ist, wenn ich nicht mehr aufwache?

 Was ist, wenn die OP bei mir keine Wirkung hat und ich nicht abnehme?

 

Ich wurde nun also hin- und hergeschoben, der lange Weg in den Operationssaal machte den ganzen Gemütszustand nicht unbedingt besser. Im Vorbereitungssaal für die OP wurde ich dann verkabelt, es wurden ein paar Fragen gestellt, der Anästhesist und sein Assistent setzten mir die Maske auf, es wurde schwummerig, dann kam das Narkosemittel in die Vene und dann war es Nacht.

————————————————————

Wach wurde ich mit dem Gefühl, dass mir gerade alle möglichen Schläuche aus dem Gesicht gerissen werden. Als ich die Augen aufmachte, lag ich im Aufwachraum und hatte schlimme Schmerzen. Auch wenn mir eine absolut unverschämte Schwester erklärte, das könne gar nicht sein, schließlich sei ich ja am Schmerztropf und hätte ja geschlafen, Abgesehen davon bekommen andere Frauen Kinder und würden nicht so jammern wie ich. Und sie hatte Gallensteine, was ich meine wie schlimm das gewesen sei. Da man direkt nach einer Narkose natürlich nicht in der Lage ist zu diskutieren, litt ich einfach vor mich hin und hypnotisierte die Uhr, in der Hoffnung, dass das alles bald ein Ende hat.

 

IMG-20160106-WA0003_zpszbnngizl

 

An dieser Stelle muss ich übrigens ein wirklich riesengroßes Dankeschön loswerden. An meinen Mann, der immer an meiner Seite ist und war, auch in meinen schlimmsten Stunden. Der während und nach der OP immer da war, der mir geholfen hat, der an meinem Bett saß, der alle auf dem laufenden hielt und der auch all meine schlimmsten Launen aushalten musste (und muss). 

Und an meine Familie, die mit voller Belegschaft nach Hamburg reiste, um mich aufzuheitern und für mich da zu sein und die schlimmen Qualen eines 5-Sterne-Wellnesshotels auf sich nahm, um in meiner Nähe zu sein 😉 Vor allem Dank an meine Mama, die noch bei mir blieb, als ich nicht mit den anderen nach Hause durfte, und auch die Nacht im Aufenthaltsraum verbracht hätte, wären die Schwestern nicht so lieb gewesen, ihr ein Krankenbett zur Verfügung zu stellen. Manchmal hilft eben nur Mama. Und dafür ist man nie zu alt!

Liebe Grüße auch an Manu von Coach&Style und Tanja von Kurvenrausch Hamburg sowie Boris von Plussizeblogs.de, die mich auch besucht haben, all das hat es mir so viel leichter gemacht!

 

 

  1. Wie lange warst du im Krankenhaus und wie ging es danach weiter? Ich war 6 Tage im Krankenhaus, da meine Entzündungswerte nicht runter gingen wurde noch ein CT mit Kontrastmittel gemacht, welches ich nicht vertrug und wieder die Nacht damit verbrachte mir alles durch den Kopf gehen zu lassen. Der Tag der Heimreise war für mich die Hölle, da ich von Hamburg nach Stuttgart reisen musste. Durch die Komplikationen mit dem Kontrastmittel war ich dehydriert, ausgelaugt und absolut fertig mit der Welt. Denn seit einer Woche hatte ich nichts außer Wasser und Kamillentee zu mir genommen und davon nicht mal viel in mir behalten. Ab dem vierten Tag nach der OP kamen dann auch die Gelüste nach was zu beißen. Werbung im TV für Chili-Cheese-Burger und Pizza machten die Fastenzeit nicht gerade einfacher. Mein allergrößter Traum auf der Heimreise war Spagetti Bolognese 😀 Endlich zuhause angekommen machte ich mir eine Brühe, rührte mir Hipp „Spagetti Bolognese ein“ und nach einer halben Stunde war meine Welt wieder in Ordnung! Es war ein Festmahl.

 

Nach 1,5 Wochen waren tatsächlich schon 11 Kilo weg! Allerdings waren ungefähr 10 Kilo davon Wassereinlagerungen und Muskelmasse, denn danach ging es deutlich langsamer weiter! Was aber nicht schlimm ist, denn dies alles ist eine enorme Umstellung für einen Körper, die er erstmal verkraften muss.

 

 

  1. Wie sieht die Ernährung nach der OP aus?

Meine Ernährung der ersten 3 Wochen:

 

Woche 1: Tee und Wasser. Aber nur Kamillen- und Fencheltee!

Woche 2: Suppe. Und Suppe. Und Tee.

Woche 3: Pürierte Kost – Eiweißreich!

 

In Woche 3 merkte ich aber schnell, dass pürierte Kost zwar schön und gut ist, ich aber ständig Hunger hatte. Deshalb stieg ich in Absprache mit meiner Ernährunsberatung schnell auf weiche Nahrung um, wie Rührei, Kartoffeln, Spinat, nur Fleisch pürierte ich noch. Das klappte viel besser.

 

Über meine momentane Ernährung und den aktuellen Stand aller Dinge werde ich euch im nächsten Teil berichten.

 

Mein letztes Shooting im „alten Leben“ mit meinem Höchstgewicht // Das erste Shooting 2,5 Wochen Post-OP mit 12 Kilo weniger

collage1

 

Ich hoffe ihr schaut am Mittwoch wieder rein, wenn der zweite Teil folgt!

 

liebe Grüße, eure 

Unterschrift

 

Facebook Kommentare

9 Comments

  • Mercury
    Februar 22, 2016 20:08

    Ich finde deine Gschichte sehr spannend. Danke, dass du sie mit uns teilst 🙂
    Und gute Besserung für die nächsten Wochen.

  • Tina
    Februar 22, 2016 22:02

    Wenn nichts mehr geht und die Beschwerden und der Leidensdruck zu groß sind, bleibt halt nur noch die OP, um dauerhaft abzunehmen.

    Ich selbst habe auch einen Schlauchmagen und seitdem 58 kg abgenommen… mein einziger Kritikpunkt:“warum habe ich Depp das nicht eher machen lassen?!“ Meine Lebensqualität hat sich so sehr verbessert – und genau das wünsche ich Dir auch! Viel Glück und Erfolg auf Deinem weiteren Weg!

  • Klaus-Peter
    Februar 22, 2016 22:53

    Alles Gute auf Deinem weiteren Weg!
    Habe ich es übersehen, oder hast Du es nicht geäußert, dass das Übergewicht ein „Leid-Grund“ war?
    LG!

    • Elli
      Februar 23, 2016 05:48

      Ich habe es tatsächlich nicht geäußert, weil ich das eigentlich nicht öffentlich machen wollte, auf einem Blog der Übergewichtigen Mut machen soll, zu sich zu stehen.

  • Anja
    Februar 23, 2016 06:23

    Ich könnte jetzt meinen Chef anrufen und sagen, dass ich verschlafen habe.
    Aber weil ich ein gewissenhafter Mensch bin, brech ich jetzt ab und lese heute Abend weiter.

    • Elli
      Februar 23, 2016 06:26

      NA das kann ich ja nicht verantworten! Sonst krieg ich noch Ärger von deinem Chef 😀

  • Dine
    Februar 23, 2016 22:29

    Liebe Elli,

    du siehst umwerfend aus. Ich bewundere deinen Mut, deine Stärke und deine Offenheit. Deine Art, die Dinge zu beschreiben ist wahnsinn und so ehrlich. Schade, dass es an mir vorüber gezogen ist, dass du in Hamburg warst, wäre auch gerne vorbei gekommen und hätte dich etwas ausgemustert. Stichwort „Gesichtsfasching“! ??

    Liebste Grüße

    Dine
    http://www.huelleundfuelle.blogspot.de

  • Trackback: Mein Weg zurück ins Leben // Teil II | Curvy Fashionelli
  • Michelle
    Februar 25, 2016 21:06

    Whow! Was für ein Unterschied auf den Fotos zu sehen ist! Unfassbar. Danke für Deinen ungeschönten Erfahrungsbericht (aus dem KH), den ich gerne weiter verfolge. Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute und dass es Dir gesundheitlich bald wieder richtig gut geht.
    Viele Grüße sendet Dir
    Michelle (frauweausb)

Leave a Reply

Schreibe einen Kommentar zu Mercury Antworten abbrechen

%d Bloggern gefällt das: