Mein Weg zurück ins Leben // Teil II

Im ersten Teil meines Berichtes über mein Leben vor und nach der magenverkleinernden Operation (hier nachzulesen) habe ich ja schon einige Fragen beantwortet. Heute möchte ich noch die gängigsten Missverständnisse aus dem Weg räumen und euch zeigen wie sich mein Leben schon jetzt, 6 Wochen nach der OP verändert hat.

 

Vorurteil Nr. 1: Du machst es dir ja einfach! Mit einer Magenverkleinerung geht das Abnehmen ja von selbst!

 

Nein, das stimmt nicht. Sicher, am Anfang, die ersten 1-2 Wochen ja. Aber wenn man nicht aufpasst, dann nimmt man schneller wieder zu, als man Pommes Schranke sagen kann. Der Schlüssel zum Erfolg liegt auch hier in der gesunden Ernährung und dem Sport.

Die OP ist nur eine Stütze, nämlich die, dass man keine Essanfälle bekommen kann. Selbst wenn ich z.B. nach dem Sport Heißhunger habe, dann ist ziemlich schnell Schluss, ob ich nun noch Hunger habe oder nicht, es geht nichts mehr rein.  Aber ich kann trotzdem über den Tag verteilt von Chips und Schokolade leben, dazu Cola trinken und mich wundern, warum die OP nichts gebracht hat.

kaboompics.com_Girl resting with legs on a white chair (1)

Nur Sitzen und auf schlanke Zeiten warten? Nee, is nich! 

 

Vorurteil Nr. 2: Dann kannst du ja gar nichts mehr essen! Dann können wir nie mehr zusammen essen gehen.

 

Stimmt nicht! Seit der OP war ich sogar schon im Steakhaus oder mit Freundinnen essen. Im Steakhaus gab es eine Suppe, ok, da durfte ich auch noch nichts anderes essen, im Restaurant habe ich dann eben nach einer kleinen Portion gefragt. Das spart auch Geld und freut den Schwaben. Es gehen aber auch Vorspeisen, oder Kinderteller, den Rest kann ich einpacken lassen oder jemand anderes der nicht satt wurde, freut sich darüber. Mir war wichtig, dass mein soziales Leben nicht mit der OP endet, da Ausgehen auch oft mit Essen verbunden ist.

 

kaboompics.com_Fruits

 

Vorurteil Nr. 3: Mit Disziplin hättest du es auch ohne OP geschafft.

Ja, das dachte ich die letzten 20 Jahre auch. Das Ergebnis waren immer und immer wieder frustrierende Jojo-Effekte. Mein Gewichtsverlauf ist ein Zickzack-Kurs – 10 Kilo runter, 15 rauf. 20 Kilo runter, 40 rauf. 35 Kilo runter, 50 rauf. Ich würde nicht unbedingt sagen, dass es mangelnde Disziplin ist. Sicher gibt es Menschen, die wirklich eisern auch ohne OP an ihrer Abnahme arbeiten und dies auch erfolgreich schaffen und halten. Ich bin aber der Meinung, dass 95% aller Menschen, die unter massivem Übergewicht leiden,nicht prinzipiell faule Junkfoodfresser sind, sondern sehr wohl reflektiert und zu großen Teilen auch disziplinert. Aber durch die vielen Diäten haben wir uns über die Jahre unseren Stoffwechsel ruiniet, eine Essstörung ist in den allermeisten Fällen auch vorhanden. Genau wie ein Magersüchtiger nicht steuern kann, einfach mehr zu essen, ist es hier das Gegenteil. Ein fieses Zusammenspiel aus Körper und Psyche. Sport war im letzten Jahr unmöglich für mich geworden. ein Teufelskreis, der irgendwann nicht mehr zu durchbrechen ist. Selbst als reflektierter und halbwegs intelligenter Mensch. 

 

Meine Ernährung

 

Die Ernährung ist ein Thema, die mich ein Leben lang begleitet und begleiten wird. Unsere Nahrung ist unser Kraftstoff, unser Benzin, und wenn wir zu wenig oder nur minderwertiges davon bekommen, dann funktionieren wir nicht, es ist wie bei einem Auto. Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch, der gesund alt werden möchte seinen Fokus auf gesunde Ernährung und Bewegung richten sollte, ganz unabhängig davon, ob man abnehmen möchte oder nicht. Viele setzen Schlankheit mit Gesundheit gleich, aber ich kenne genug Leute, die zwar schlank sind, sich aber trotzdem hauptsächlich von Fastfood und bis zur Unkenntlichkeit verarbeiteten Lebensmitteln ernähren. Diese Menschen müssen auch irgendwann ihren Preis dafür zahlen, vielleicht nicht mit Übergewicht, aber vielleicht mit anderen Erkrankungen des Verdauungsapparates, Schlappheit, Depressionen, etc.

 

Gesunde Ernährung ist mir schon seit Jahren wichtig und schon seit Jahren kochen wir meist frisch und gesund. Ab und zu schlich sich dann wieder ein Schlendrian ein, wo dann doch das Zwiebel-Sahne-Schnitzel auf den Tisch kam, oder man auf dem Heimweg kurz beim güldenen M gehalten hat, oder mal den Pizzadienst gerufen. Nicht übermäßig oft, aber öfter als ich es eigentlich für mich möchte. Ich möchte in Zukunft nicht öfter als 1-2 x im Monat sündigen, was meine Hauptmahlzeiten angeht. Diese bestehen bei mir hauptsächlich aus Puten- oder Hähnchenfleisch, Fisch oder Käse, dazu Gemüse (meist gekocht), gerne Brokkoli, Bohnen, Avocado, Karotten, Spinat, als Beilage sehr kleine Mengen von Kartoffeln, Reis oder Couscous. Damit meine Muskeln sich nicht abbauen esse ich viel eiweißhaltige Lebensmittel.

 

Was ich mir nicht nehmen lasse, ist meine Schoki am Abend. Ich benötige diese zum Glücklichsein, und eine Reihe Schokolade am Abend plane ich mir in mein Kalorienbudget ein.

 

Meine Portionen dürfen 150-200 Gramm betragen und meine Kalorien bewegen sich so im Schnitt um die 1300, mal etwas mehr, mal etwas weniger.

 

 

Ernährungsplan:

 

Ein Beispiel für einen normalen Tag bei mir:

 

Frühstück: Omelett mit Schinken und Pilzen / Alternativ eine Scheibe Brot mit Frischkäse und Putenbrust und Gurke

 

Zwischenmahlzeit: Joghurt mit Früchten oder Käse mit Schinken / alternativ ein Ei und eine Tassensuppe

 

 

Mittagessen: meist die Reste vom Vorabend, z.B. heute Hähnchengeschnetzeltes mit Brokkoli und Couscous. Manchmal darf es auch Dampfgemüse für die Mikrowelle sein, was ich mir gerne noch mit etwas Reis, Couscous und Fleisch aufpimpe.

 

Zwischenmahlzeit: z.b. Eiweiss-/Müsli-/Fruchtriegel

 

Abendessen: z.B.: Fisch mit Brokkoli, Spinat mit Kartoffeln, Putengeschnetzeltes mit Gemüse, Steak mit Salat, Hähnchenfleisch mit Mozzarella überbacken, Griechischer Salat mit Gurken, Tomaten, Oliven, Schafskäse und Thunfisch, Zucchini-Karottenspagetti Bolognese

 

Nachtisch/Abendsnack: Trockenfrüchte / Schoki / Joghurt / irgendein anderer Süßkram

 

kaboompics.com_Romantic dinner setting. The boiled crayfish on a white plate & love card

Meine Portionen sind klein, aber abwechslungsreich 

 

Ich verfolge keine Philospohie wie Low Cab, Vegan, Paleo und wie sie noch alle heißen. Ich mag keine dogmatischen Ernährungsformen. Und ja, ich weiß, dass Schokolade am Abend nicht gut ist. Aber sie tut mir gut, ich liebe sie und ich esse sie. Punkt. 🙂

 

Ich versuche auf Kohlenhydrate zur Hauptmahlzeit weitgehend zu verzichten, oder sie nur als Mini-Mini-Beilage zu essen, da ich davon sehr schnell wieder hungrig werde. Esse ich Pasta zu abend, bin ich ein Fass ohne Boden und kann ständig weiteressen, selbst mit kleinem Magen. Deshalb habe ich Nudeln aus meinem Speiseplan weitgehend verbannt. Wenn es mal Spagetti Bolognese gibt, dann nur mit Vollkornnudeln. Dann nehme ich aber nur wenige Nudeln und Fülle mit Gemüse auf.  

 

Wichtig ist mir, dass ich nicht das Gefühl habe, auf irgendwas verzichten zu müssen. Seit der Operation ist meine Lust auf Nudeln sehr klein. Davor hätte ich ständig Nudeln essen können.

 

Wenn euch mein Sportprogramm sowieso meine Ziele und Aussichten interessieren, dann schaut am Freitag wieder rein!

liebe Grüße, eure

 

Elli

 

 

Pics by kaboompics

Facebook Kommentare

3 Comments

  • Una Geiger
    Februar 24, 2016 17:25

    Wie ich schon letzte Woche sagte, Hut ab, Elli vor deiner Entscheidung. Und nein, du hast es dir nicht leicht gemacht. Ich kenn‘ das ja, und ich denke, wir beide haben ungefähr einen ähnlichen Diätwahn durch gemacht.
    Die Magenverkleinerung ist der letzte Ausweg, um gesund zu werden. Das Abnehmen ist in erster Linie ein Nebeneffekt, Gesundheit ist erst einmal wichtiger.
    War gestern bei meinem alljährlichem Check-Up und ich muss abnehmen, da ich einen erhöhten Prädiabeteswert habe. Ich habe vor 2 Jahren mit dem Rauchen aufgehört, dann kann ich auch endlich ohne Limo/Nektar auskommen – hoffe ich. Jetzt heisst es erst einmal, Wasser statt Limo und mehr Bewegung und in 3 Monaten sehen sich mein Arzt und ich an, was mit meinem Körper passiert.
    Elli, mach weiter so. Geniesse dein Leben, geniesse deine neugewonnene Freiheit wieder mehr mit deinem Körper machen zu können. Es ist dein Leben, dein Körper und niemand hat das Recht, dir das zu vermiesen.

    • Elli
      Februar 24, 2016 19:03

      Danke! Genau so ist es, niemand der unseren Leidensweg nicht kennt, sollte Urteilen. Ich wünsche dir alles gute für dein Vorhaben!

  • Trackback: Mein Weg zurück ins Leben // Teil 3 // Sportprogramm und Ausblick | Curvy Fashionelli

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