Mein Körper, meine Regeln.

Lange schon schwirren mir Gedanken zu diesem Beitrag durch den Kopf, aber ich wusste nicht, ob ich auch darüber schreiben soll. Nach 5 Jahren in der Plus-Size-Bloggerszene mache ich mir natürlich immer wieder Gedanken, wie sich alles verändert hat. Wie ich mich verändert habe, wie sich der Tenor der Blogger verändert hat. Als ich anfing, schwamm ich auf einer großen Fatacceptance-Welle mit. Die ersten Blogs die ich las, beschäftigten sich nicht nur mit Mode sondern auch mit der Aussage „Liebe dich selbst, so wie du bist!“.

Eine bis heute gute und wichtige Aussage. Aber mit Einschränkungen. Im letzten Jahr habe ich selbst erlebt, wie das Gewicht auch einschränken kann. Wie es nicht nur körperlich, sondern auch seelisch belasten kann. Ich, die immer ganz vorn dabei war, wenn es darum ging, anderen zu sagen, sie sollen bleiben wie sie sind und sich nichts anderes Einreden lassen, brach plötzlich ein. Und ich lernte eine ganz wichtige Lektion: Es ist auch okay, wenn du dich verändern willst. Wichtig ist nur, tu es nur für dich! Und natürlich noch, um den Menschen, die dich lieben, erhalten zu bleiben. Und niemanden sonst.

kaboompics.com_Office in the bed

 

Im Klartext: Ich merkte, dass mich die Einschränkungen nichtmehr all die schönen Sachen genießen ließen, die ich gerne machte. Reisen, Sport, Mode – alles wurde immer und immer schwieriger. Ich wollte nichtmehr ausgehen, nichtmehr feiern, nichts was ich gerne gemacht hatte, war noch in dem Rahmen möglich wie früher. Ich merkte aber auch, dass mir die Kraft fehlte, aktiv etwas an meiner Situation zu ändern, da es ein zu großer Berg war, der da vor mir lag. Ein Berg aus Depressionen und sehr viel Gewicht.Für mich gab es nur noch eine Möglichkeit: Magenverkleierung.

Ich wollte die Thematik eigentlich nicht auf den Blog bringen. Denn dies ist ein Modeblog. Aber als Blogger hat man auch eine Vorbildfunktion. Und noch immer soll mein Blog auch ein Tagebuch sein, der aus meinem Leben erzählt. Und dies ist nun Teil meines Lebens. Einige haben die optische Veränderung, wenn auch erst ganz am Anfang, schon bemerkt. Viele haben mich darauf angesprochen. Der erwartete Shitstorm oder der erhobene Zeigefinger blieben aus. Ich habe ganz viel Kraft von vielen lieben Menschen geschenkt bekommen, und darüber freue ich mich sehr. Denn meine Beobachtungen der letzten Wochen zeigten mir auch eines ganz deutlich: Die heile Bodypositivitywelt bröckelt. Viele haben mir erzählt, dass sie sich unzufrieden fühlen, aber sich nicht trauen, dies zu sagen, da man sie sonst nichtmehr als glaubwürdig erachtet. Und das ist etwas, was mich wirklich schockiert hat. Kann man wirklich jemanden dafür verurteilen, dass er gesünder leben möchte? Aktiv sein möchte und glücklicher?

Ich bin kein Verfechter von Diätwahn und I-make-you-sexy-Programmen. Niemand sollte sich einreden lassen, dass er ausschließlich schlank glücklich und begehrenswert sein kann. Auf keinen Fall. Denn ich bin nach wie vor der Meinung, dass jeder Mensch sexy sein kann, ganz unabhängig von seiner Körperform. Nur eines ist wichtig: Man muss sich selbst wohl fühlen. Und wenn der Punkt irgendwann erreicht ist, an dem man sich nichtmehr wohl fühlt, dann darf es das Recht von jedem sein, dies zu ändern.  Denn niemand, der nicht in meinem Körper steckt, hat das recht mir zu sagen, wie ich mich zu fühlen habe. Adipositas ist eine Krankheit, eine schlimme Krankheit, weil sie in der Gesellschaft nicht als dieses anerkannt wird, sondern als undiszipliniertes, faules Verhalten. Eine Krankheit, die mich gefühlt schon mein ganzes Leben verfolgt. Die ich schon immer gehasst habe. Die ich mit den falschen Methoden jahrelang versucht habe zu bekämpfen. Und die trotzdem immer und immer schlimmer wurde.

Ich unterstütze Aktionen wie #curvyfit da ich heute noch mehr als je zuvor schätze, dass sich die Plussize-Szene anfängt ihrer Verantwortung bewusst zu werden: Nämlich auch Vorbild zu sein. Zu sagen, lasst es nicht so weit kommen, dass ihr irgendwann kein lebenswertes Leben mehr habt. Seid kurvig, aber gesund. Das ist eine ganz wichtige Aussage. Mein Ziel ist und war es nie, schlank oder dünn zu werden. Ich möchte gesund sein. Und ich möchte leben! Ich bin auf einem guten Weg dorthin, auch wenn ich dafür radikale Maßnahmen wählen musste. So weit sollte man es nicht kommen lassen, denn auch dies ist kein leichter Weg!

Wenn euch mein Werdegang mit der Magenverkleinerung interessiert, dann schreibe ich auch gern noch etwas dazu.

Dieser Blog wird sich verändern. Nicht nur, weil sich mir modisch jetzt wieder neue Möglichkeiten eröffnen, die mit Kleidergröße 56, teilweise 58 nichtmehr gegeben waren. Sondern weil ich auch Themen wie Sport, Ernährung und wieder mehr Aktivitäten wie Reisen mit einbringen werde. Dies alles fehlte mir im letzten Jahr sehr. Und somit wird Curvyfashionelli wieder mehr Elli sein. Wieder mehr Leben. Mein neues Leben gehört dazu und ich freue mich über jeden, der diesen Weg verfolgen möchte.

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Liebe Grüße, eure

 

Unterschrift

Fotos: kaboompics.com/

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3 Comments

  • Sarah
    Februar 7, 2016 20:37

    Liebe Elli,
    wie du weißt, finde ich deinen Weg super…und deinen Beitrag auch 🙂
    Geh‘ deinen Weg. Das ist der einzig Richtige.
    A lot of love <3
    Sarah

  • Jasmin
    Februar 12, 2016 13:53

    Liebe Elli, ich bin schon ganz lange eine stille Mitleserin, nun muss ich mich auch mal melden.
    Ich finde es wahnsinnig stark, dass du diesen Weg gewählt hast! Ich habe seit letzten Sommer einen Magenbypass & es ist das beste, das ich machen konnte!
    Ich bin sehr gespannt auf deinen neuen Weg & freue mich auch auf wieder mehr „Elli“ auf dem Blog!
    Mach weiter so, du bist echt klasse!

    Liebe Grüsse aus der Schweiz

    Jasmin

    • Elli
      Februar 13, 2016 08:43

      Hallo Jasmin, vielen Dank für deine Worte! Ich wünsche dir mit deinem neuen Weg auch alles Gute!

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