Vom Blogger zum Alleinunterhalter?

Als ich vor 6 Jahren Anfing zu bloggen war das eigentlich noch ganz simpel. Ein kostenloser Blog bei Google, Bilder vom Handy von den Raubzügen beim Einkaufen, ein Spiegelselfie vom Outfit. Fertig war der Blogger.

Klar gab es auch da schon Blogs, die etwas höherwertiger aussahen. Aber ich hatte Spaß am selbstgebastelten Blogger-Theme und die Leichtigkeit des Bloggerdaseins. Über das den googleeigenen Feed waren die Leser auch immer gleich informiert, wenn man einen Beitrag veröffentlichte. Seinen Selbstwert errechnete man sich aus den Followern bei GFC

 

Kleine Anekdote: Ich wollte eigentlich nach 6 oder 7 Beiträgen wieder aufhören mit dem Bloggen, da ich mit 25 Lesern nicht wirklich auf die Resonanz stieß, die ich mir erhofft hatte. Wie auch heute noch viele junge Blogger wollte ich quasi von jetzt auf sofort von 0 auf 100 sein. Ich erwähnte diesen Ausstieg aus dem „Bloggerbusiness“ eher nebenbei in einem Beautyforum und bekam von ein paar Usern das Feedback, dass ich weitermachen solle, da sie meinen Schreibstil so sehr mögen. Das war für mich die einzige Motivation zu diesem Zeitpunkt, weiterzumachen. DANKE, liebe unbekannte Motivatoren!

 

Ist das Modell „Blog“ noch zeitgemäß?

Heute, 6 Jahre später frage ich mich, ob das Modell „Blog“ überhaupt noch zeitgemäß ist. Wer liest Blogs eigentlich noch intensiv? Ich bin ehrlich. Ich fast nicht mehr.  Selten bemühe ich meinen Bloglovin-Feed. Wenn ich bei Facebook über einen interessanten Artikel stoße, dann lese ich ihn. Outfits interessieren mich nur selten, eher tiefgreifende Beiträge. Clickbaiting-Überschriften klicke ich aus Prinzip nicht an. Cleane weiß-schwarze Blogdesigns langweilen mich.. Einer wie der andere. Austauschbar.Vielleicht bin ich blogmüde geworden, weil sich im Laufe der Jahre in meinem Feed ein Haufen von austauschbaren Blogs angesammelt haben und ich einfach gezielt google, wenn ich mich für ein Produkt interessiere. Die Einheitspampe geht mir auf die Nerven.

Und selbst gehöre ich zu dieser Pampe. Selbst poste ich Outfits, Woche für Woche. Warum? Weil ich Spaß daran habe. Weil ich gerne Looks zusammenstelle. Weil ich gerne Inspiration und Diskussionsgrundlage bin. Als Blogger ist man auch immer Rampensau. Aber es genügt nicht, dies auf dem Blog zu präsentieren. Heute muss man einfach immer und überall präsent sein. Instgram, Snapchat, Twitter, Pinterest, oder ist schon wieder der nächste Social-Media-Trend am Start, von dem ich nichts weiß? GFC oder Bloglovin zählen nirgends als Verhandlungsgrundlage. Harte Instagramzahlen, mehr nicht.

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Wer kein spannendes Leben hat, ist raus. Wer sich nicht einmal täglich per Kurzvideo präsentiert, sich auf allen Kanälen zeigt, um jede Befindlichkeit abzudecken, verschwindet vom Schirm der Community. Büroangestellte mit 9-Stunden-Tag und keine Idee, was man jeden Tag aus der Kaffeeküche snappen soll? Na dann denk dir mal was aus, denn Bloggerin XY berichtet schon wieder vom Blabla-Event aus St. Tropez.

Es reicht nicht mehr, einmal die Woche dein Outfit vor dem Spiegel zu präsentieren. Du musst Entertainer sein, deine Fans unterhalten, und zwar überall. Witzig, kreativ, in allen Bereichen ein Talent. Wer mag auch schon das hundertste Selfie auf Instagram sehen, die 75. Designertasche neben Designerbrille auf überbelichtetem Lammfell?

Ja richtig. Ich nicht. Ich will Typen sehen. Ich will tiefgreifende Blogs lesen oder spektakuläre Outfits sehen, die mich inspiriren. Kein Müssen, sondern können. Unverkrampft und echt.Und trotzdem anders. Ich denke, die Blogger 2.0 werden sich ganz von selbst selektieren. Viele werden in den nächsten 1-2 Jahren durch das Raster fallen. Die einen werden Stars, die anderen bedeutungslos. Wer hat schließlich schon die Zeit, 100 Langweilern zu folgen? Man sucht sich seine 10 liebsten raus und verfolgt sie. Auf Snapchat, Facebook, auf Instagram, klickt vielleicht mal den Blog an, wenn ein spannendes Thema behandelt wird. Ansonsten wollen wir schnelle Unterhaltung. Ein kurzes Video, kein langes Bla Bla. Mehr als 10, 20 Minuten Snapchatvideos oder Instagramstories  können sich doch sowieso die meisten nicht anschauen, in dieser schnellen Zeit. Wenn mir also jemand mit einer Stunde Rumgelaber, zusammengestückelt aus zehnsekündigen Videos ankommt, klicke ich sofort weg. Ein schönes Bild, ein schneller Like. Ein witziger Spruch oder eine verrückte kleine Geschichte. Am Ball bleiben, auf dem Schirm bleiben.

Wie bleibe ich noch im Gedächtnis?

In die Hand nehmen. Nicht nur nachmachen, sondern selbst kreativ sein. Gruppen, Events, Organisieren, überall präsent sein, ohne zu needy zu erscheinen, Netzwerk aufbauen, Fühler ausstrecken. Nicht nur in der Bloggerblase bewegen, think outside the box.

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Wer als Blogger mithalten will, kann das schon heute kaum mehr neben einem Vollzeitjob tun. Hobbyblogs werden mehr und mehr verschwinden. Bis wir wieder die undefinierbare und immer gleiche Matschepampe haben, aus deren Bodensatz sich dann wieder etwas neues formen wird. Das ganz große Ding. Etwas, das neue Gewinner und viele Verlierer hervorbringen wird. Die Welt verändert sich rasant. Die Ansprüche der digitalen Community ebenso.

 

Bin ich dabei? Ich weiß es nicht. Ich habe Lust darauf. Aber ich weiß nicht, ob ich mit der „Jugend“ mithalten kann. Vielleicht halte ich zu sehr am alten Blogmodell fest. Ich liebe Snapchat, aber bin viel zu uninteressant, um jeden Tag eine tolle Story zu präsentieren. Ich bin Selbstdarsteller genug, um jeden Tag ein Selfie auf Instagram zu posten, aber nicht affin genug, um dort eine riesige Followerblase zu erschaffen. Nicht schön und stylish genug, um ständig getrendet zu werden.

Ich lasse mich treiben. und warte ab, was passiert. 

 

 

 

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