Interview mit Bloggerin und Autorin Rhea Krcmárová

Heute freue ich mich sehr, die Bloggerin und Autorin Rhea Krcmárová bei [inside] im Interview zu haben. Sie hat viel interessantes zu erzählen, also legen wir gleich los:

 

Hallo liebe Rhea, schön, dass du bei unserer Interviewreihe dabei bist. Bitte erzähle uns doch vorab ein wenig über dich.

Ich bin Autorin, Textkünstlerin, Bloggerin und Aktivistin in Sachen Selbstliebe und Body Love. Ich schreibe Romane und Stücke und Kurzgeschichten, und experimentiere mit transmedialer Kunst – darunter kann man sich Buchkunst, Videopoesie, Textperformance und mehr vorstellen. Ich habe Schreiben – Sprachkunst – an der Uni für Angewandte Kunst Wien studiert. Vorher war ich unter anderem Journalistin, PR-Texterin und Testleserin für Liebesromane, und habe Operngesang und Schauspiel studiert … Ich wollte an sich Operndiva werden, bin irgendwann aber draufgekommen, dass ich eigentlich eine Autorin mit einer hübschen Stimme bin.

 

IMG_9884© by Rhea Krcmarova

 

Du hast das Buch „Venus in echt“ geschrieben, das vor allem bei den Leserinnen sehr gut aufgenommen wurde. Erzähle doch denjenigen, die das Buch noch nicht gelesen haben kurz, um was es geht.

Venus in echt ist ein erotischer Entwicklungsroman. Gamedesignerin und Geek Romy Morgenstern ist fest davon überzeugt, dass sie wegen ihrer Figur (Größe 50) kein Mann lieben kann. Als sich der Mann ihrer Träume mit einer noch dickeren, aber selbstbewussteren Frau verlobt, fällt Romy aus allen Wolken – und beschließt, sich auf eine Quest, also auf ein Abenteuer zu begeben, um ihre innere Venus zu entdecken. Sie beginnt mit dem Onlinedating, bloggt, nimmt Burlesque-Stunden, und findet ihre ganz eigene Schönheit und Sinnlichkeit. Als sie sich in einem Mann verliebt, der zu feige ist, sich mit einer dicken Frau in der Öffentlichkeit sehen zu lassen, und wegen ihres Blogs gemobbt wird, weiß sie, dass sie lernen muss, über ihren Schatten zu springen und einige radikale Entscheidungen zu treffen …

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 © by edition a

Venus in echt war ein typischer Fall von „schreib ein Buch, das Du selber gerne lesen willst.“ Ich finde, es wird an der Zeit, dass erotische, romantische Romane mit dicken Heldinnen geschrieben werden. Mir war es aber auch wichtig, dass das Buch möglichst lebensnah ist – Romy macht in Sachen Männer durchaus mal Abstecher durch den Froschtümpel …

 

Wie reagierte die etablierte Presse auf dein Buch? Wie fielen die Rezensionen aus?

In Österreich waren die Reaktionen an sich sehr positiv, es gab große Artikel in der Woman und im Kurier, und einen Bericht im ORF. Die deutschen Medien haben das Buch (noch) nicht wirklich entdeckt, es gab bis jetzt nur zwei kleinere Artikel. Ich bin aber sicher, das wird noch …

 

IMG_3394© by edition a

 

Dürfen wir uns über einen Nachfolger freuen? Oder vielleicht sogar etwas ganz anderes?

Eine Fortsetzung schließe ich nicht aus, im Moment arbeite ich an ganz etwas anderem. Vor kurzem habe ich ein einjähriges Literaturstipendium vom Kunstministerium bekommen (*freu*), für meinen zweiten Roman. In „Das Dorf, das noch geflutet wird“ geht es um Kunstdiebstahl im Kommunismus, um Emigration, versunkene Dörfer, Ausgrabungen, um Geheimnisse, die auftauchen, und die Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit. Ein Thema, das mich seit Jahren fesselt … Mich interessieren als Autorin so viele Themen, mal sehen, was danach kommt …

 

Wenn du nicht gerade Bücher schreibst, bist du ja auch Bloggerin. Über welche Themen schreibst du am liebsten?

Venusinecht.com ist ein Blog über Plus Size Lebensstil – ich schreibe über Themen, die üppige Frauen interessieren, in den „normalen“ Medien aber nicht oder nur am Rande vorkommen – wobei unsere schlanken Schwestern auf meinen Blog natürlich auch herzlich willkommen sind.

 

url© by Rhea Krcmarova

 

Einer meiner Schwerpunkte ist definitiv Body Love – auch, weil ich selber lange mit einer Essstörung und mit meinem Körper gekämpft habe, und weiß, wie schmerzhaft und lebensraubend es sein kann. Ich war im April als einzige Europäerin bei der Body Love Conference in Arizona, und finde, dass sich da in Mitteleuropa noch viel mehr tun muss. Ich schreibe auch über Kunstprojekte, Heath at Any Size, Plus Size Fitness, Mode und mehr. In meiner Kolumne Girlcrush interviewe ich (meist Plus-Size)-Frauen, deren Arbeit mich beeindruckt, von Aktivistinnen über Burlesque-Diven bis zu Bloggerinnen – ich habe sogar ein Interview mit einer Verführungs-Expertin … Es gibt so vieles zum Thema Plus Size, von dem man in nichts oder nur sehr wenig liest oder sieht. Ich möchte das ändern.

 

Du kommst aus Österreich, wie steht es dort um die Kurvenszene? Ist diese genauso im Wachstum, wie auch in Deutschland?

In Österreich steht die Szene noch ganz am Anfang. Es gibt erst eine Handvoll von uns Bloggerinnen, und auch in den Medien ist das Thema noch ziemlich unterrepräsentiert. Ich plane mit meinen Mit-Bloggerinnen (übrigens alles ganz tolle Frauen!) im Herbst ein „Gipfeltreffen der österreichischen Plus-Bloggerinnen“, da werden wir auch diskutieren, wie wir noch sichtbarer werden können …

Rhea Krcmanova© by Margit Marnul

 

Kommen wir zum Thema Mode, wie wichtig ist Mode für dich? Vieles läuft bei kurvigen Frauen ja über Mode. Möglichkeit zur Selbstverwirklichung und Ausdruck der Persönlichkeit. Bist du auch ein Fan von toller Mode?

Oh doch. Ich bin eine deklarierte Tussi, seit dem ich denken kann (Im Ernst. Ich lese Modezeitschriften, seit ich 13 bin – für mich war das eine Flucht aus der Vorstadthölle). Mode ist für mich ein sinnliches Vergnügen – die Stoffe, die Schnitte, die Stickereinen, die Details … Und natürlich Accessoires – ich habe (ohne Übertreibung) 150 Paar Ohrringe, sicher 50 Handtaschen, und genug Armreifen, um eine ganze Modewoche auszustatten. Ich finde es wirklich wunderbar, was sich in den letzten Jahren in Sachen Plus-Mode tut, obwohl es mir gerade in Mitteleuropa nicht schnell genug geht.

Was meinen Stil angeht: sagen wir mal closeted Goth mit einer Neigung zu Folklore, Rock und Strass. Ich bin definitiv auch ein Fan von ungewöhnlichen Einzelstücken, und liebe es, auf Reisen einzukaufen … Eine Vintage-Tasche aus einer kleinen Boutique in Brooklyn, ein im afrikanischen Viertel von Paris für mich auf Maß genähter Rock – das sind Stücke, die mich glücklich machen. Ich habe auch ein Talent, schöne Stücke im Ausverkauf zu finden – ein Glück, weil ich ja doch auch recht viel Geld für Bücher ausgebe.

Ich führe bei den meisten meiner Kleider übrigens kleinere oder größere Änderungen – Upgrades – durch. Die meisten Plus-Sachen sind mir um die Taille zu groß, und ich merke, was für einen Unterschied es macht, wenn ich ein paar Euro in eine Schneiderin investiere. Ich ändere auch oft den Saum oder Ausschnitt, füge Spitze hinzu, färbe Kleider auch einmal um, wenn ich die Farbe nicht mag – ich habe gelernt, das Potential eines Kleidungsstücks zu sehen, auch wenn es auf den ersten Blick eher naja bis meeeh scheint.

Make-up und Pflege ist für mich auch wichtig – durch eine Drogerie oder Parfümerie zu gehen und Reihe um Reihe voller Farben und Düfte zu sehen, finde ich fast so schön, wie durch einen Künstlerbedarf-Großhandel zu schlendern …

 

Hast du Geheimtipps für uns, wo wir in Österreich tolle Mode finden können?

Ich muss gesehen, dass ich meine Sachen fast nur Online oder im Ausland kaufe. Wien-Besucherinnen kann ich das Stor in der Stozzigasse ans Herz legen, mit nordischer Plus-Mode. Ich liebe auch den Naschmarkt-Flohmarkt (jeden Samstag), weil ich da immer wieder feinen Vintage-Schmuck finde.

 

Was muss sich in Puncto Öffentlichkeitsarbeit in den nächsten Jahren noch tun, um die dicken Frauen aus der Nische des Versteckens herauszuholen und ihnen mehr Mut zur Selbstakzeptanz zu geben?

Es braucht eine ganz andere Art der Berichterstattung, vor allem von Seiten der großen Medien. Ich finde es unglaublich spannend, was für einen Unterschied es zwischen dem Internet und der Berichterstattung der Massenmedien gibt. Online findet man Seiten über Seiten zum Thema Size Acceptance, Heath at Any Size, über dicke Athletinnen und Tänzerinnen, neue Aspekte zum Thema Selbstliebe und mehr. In den Zeitungen und im Fernsehen werden die selben sinnlosen Diättipps ausgetauscht und müde Mythen a la „dünn ist gleich glücklich“ zementiert. Das Thema Dick wird – wenn überhaupt – meist unter dem Problemaspekt diskutiert. Man sollte endlich mehr runde Frauen zeigen, die sich mögen und die ein tolles Leben führen – auch, um endlich mit dieser Erzählung von wegen „Dicke Menschen können kein erfülltes Dasein führen“ aufzuräumen.

Außerdem sollte man endlich anfangen, über dicke Frauen nicht nur ihrer Figur wegen zu berichten. Wir haben ja viel mehr Themen zu bieten als unsere Kilos – wir sind kreativ und kompetent, wir sind Künstlerinnen und Politikerinnen und Unternehmerinnen und mehr – das kommt bei der aktuellen Debatte ja viel zu kurz.

Paradigm-Lost_FERTIG© by  Rhea Krcmárová

 

7 kurze Fragen (gerne auch mit kurzer Begründung):

Paris oder London?

Hmmm … London liebe ich ein bisschen mehr, weil es noch größer und bunter ist, und man als Plus-Frau besser einkaufen kann … aber Paris ist natürlich ein ganz besonderer Ort … (und das Wetter ist im Vergleich zu London direkt menschenwürdig).

Chanel oder Dior?

Lieber Vintage und Einzelstücke. Wobei, wenn mir jemand eine große Vintage-Chaneltasche schenkt, jage ich ihn jetzt nicht mit dem feuchten Fetzen davon.

Strandurlaub oder Städte-/Rundreise?

Eindeutig Citytrip. Nicht nur, weil ich mir leichter einen Sonnenbrand hole als Schneewittchen im Glassarg und somit zum Aalen an der Adria denkbar ungeeignet bin. Ich liebe ich es, neue Lokale und Museen und Shops zu entdecken, durch fremde Nachbarschaften zu schlendern, oder einfach nur dazusitzen und die Atmosphäre einer Stadt zu genießen.

Süß oder salzig?

Wenn es nicht gerade Schoko-haltig ist, eher salzig (*steckt sich langsam ein Stückchen Milka mit ganzen Haselnüssen zwischen die Lippen*)

Heels oder Flats?

Im Moment Flats, leider, weil ich vor einiger Zeit beim Radfahren intelligenterweise Bandsalat im Knöchel produziert habe. Tendenziell finde ich Absatz aber um einiges schöner (und ich bin mit 1,63 oder so auch nicht die statuesk-eske im Land).

Business oder Casual?

Nope und nope. Eher irgendwo zwischen kr(h)eativ, rockig, gothic und sexy. Ich sehe im Kostümchen zwar durchwegs brauchbar aus, komme mir aber immer irgendwie verkleidet vor …

Berlin oder New York?

New York – war vor drei Jahren ein Monat lang dort, und will unbedingt wieder hin (Burlesque! Alternative Kultur! Shopping! Mit der Ubahn ans Meer fahren!) Berlin ist aber auch hoch oben auf der Liste meiner Lieblingsmetropolen … und schreiben kann ich ja überall …

 

Platz für dich: Tobe dich aus: Was möchtest du unseren Lesern unbedingt noch mitteilen?

Für alle, die im Oktober in Berlin sind: Ich halte im Oktober gemeinsam mit Plus-Bloggerin, Stylistin und Aqua Zumba Trainerin Maria Gonzales Leal zwei Bodylove-Workshops in Berlin, im Rahmen der Woche der Seelischen Gesundheit.

Am 11. Oktober 2014 von 15:00 Uhr bis 17:00 Uhr und am 16. Oktober 2014 von 11:00 Uhr bis 13:00 Uhr

Mehr Infos hier: http://venusinecht.com/save-the-date-body-love-workshop-11-16-10-berlin/

 

Platz für deine Social-Media-Kanäle, zeige uns, wo man dich überall finden kann:

www.venusinecht.com

Meine anderen künstlerischen Sachen: 

rhea-krcmarova.com

Facebook.com

Mit Instagram fange ich gerade an – da kommt noch mehr … http://instagram.com/rhea_krcmarova

Ich bin auch auf Twitter und Pinterest, aber nicht so oft.

 

 

Vielen Dank liebe Rhea, für dieses ausführliche, interessante Interview! 

 

Wollt ihr Rhea noch etwas sagen, oder habt ihr noch eine Frage? Dann rein, mit euren Kommentaren 🙂

 

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