Interview mit Plus-Size-Model und Fotografin Silvana Denker

 Titelfoto: Christian Lauer

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Donne con le Curve, Foto: Uwe Hof

 

Ich freue mich sehr über den heutigen Gast bei [inside], denn ich bin persönlich sehr begeistert von dieser Frau. Ja, man kann sagen  ich bin ein kleiner großer Fan ihrer Bilder, sowohl vor als auch hinter der Kamera. Deshalb will ich gar nicht viele Worte verlieren, wir starten gleich durch:

 

Liebe Silvana, erzähle uns doch vorab etwas über dich und deinen Werdegang als Model. Wie begann alles?

Ich habe schon seit ich so 17/18 war hobbymäßig vor der Kamera gestanden. Damals trug ich noch Kleidergröße 38, also war zwar schlank aber trotzdem zu dick, um professionell zu modeln. Von Plus Size Models hatte ich zu der Zeit noch nichts gehört.
2008 habe ich dann sehr viel zugenommen und stand nur noch hinter der Kamera (damit habe ich 2006 angefangen), bis mich 2010, nachdem ich einiges wieder abgenommen hatte und Kleidergröße 42/44 trug, eine Freundin fragte, ob ich sie für einen Modelcontest für große Größen fotografieren könnte. Ich hab mir daraufhin diesen Wettbewerb – von Ulla Popken – angeschaut und hab auch mal zwei Fotos eingeschickt, eigentlich mehr aus Spaß, ohne große Hintergedanken. Bin dann kurz darauf umgezogen und hab die Bewerbung total vergessen, bis ich drei Monate später eine Mail von einer Bekannten bekam, die mir zum Finaleinzug gratulierte. Da fiels mir dann wieder ein, ich schaute auf die Webseite von Ulla Popken und stellte fest, dass ich zu den 6 Finalistinnen gehörte. Durch den Umzug war die Einladung nicht bei mir angekommen.
Ich bin dann nach Rastede zum Finale gefahren, habe 4 wundervolle Tage erlebt und tolle Frauen kennengelernt, die, obwohl sie keine Standard-Modelmaße hatten, einfach wunderschön waren. Obwohl ich letztendlich nicht gewonnen habe, wurde ich kurz darauf von meiner ersten Modelagentur aufgenommen und 4 Monate später von Ulla Popken für meinen ersten großen Job gebucht – in Los Angeles <3

So fing alles an 🙂

 

Foto: Jacqueline Wardeski, H&M: Ramona Geller
Foto: Jacqueline Wardeski, H&M: Ramona Geller
Foto: Jacqueline Wardeski, H&M: Ramona Geller

 

Wie sieht der Alltag eines Plus Size-Models aus? 

Entgegen der Meinung vieler, muss auch ich als Plus Size Model Sport machen, mich gesund ernähren und auf mich achten. Der Unterschied ist aber, dass ich nicht hungern muss und mir auch mal, wenn nicht gerade ein Job in den nächsten Tagen ansteht, was erlauben darf.
Ansonsten geht’s auf Castings, GoSees, mache ich Testshootings, um mein Modelbook auf dem neuesten Stand zu halten, eben so, wie man es von Models kennt.

 

Meinst du, dass es irgendwann möglich sein wird, seinen Lebensunterhalt als Curvymodel zu bestreiten, so wie es bei einigen „Size-Zero-Models“ der Fall ist? Oder, ist dies sogar jetzt schon möglich?
Die großen Top Models, wie zB Tara Lynn, Candice Huffine, etc können ja heute schon sehr gut vom Modeln leben und bekommen auch hohe Gagen. Auch in Deutschland gibt es einige Models, die rein davon leben, wobei das eher seltener ist und hier natürlich solche Traumgagen nicht gezahlt werden.

 

Foto: Carmakoma
Foto: Carmakoma
Foto: Carmakoma

 

Wie läuft ein Shootingtag vor der Kamera bei dir normalerweise ab?  Gib uns doch einen kleinen Einblick in alles was passiert bis das Bild fertig bei uns landet.

Es kommt ein bisschen darauf an, wofür geshootet wird, aber im Großen und Ganzen geht es meist morgens mit dem Styling los, gelegentlich wird auch noch gefittet, heißt, die Kleidung wird anprobiert, falls noch etwas ausgetauscht werden muss.
Die Zeit des Stylings ist für mich immer ein bisschen Entspannung 😉
Und dann geht’s los, ab ins erste Outfit (danach bloß nicht mehr hinsetzen, damit die Kleidung keine Falten bekommt), die Stylistin sucht die passenden Accessoires und Schuhe dazu und dann geht’s ab ins Set. Je nach Kundenwunsch pose ich dann bis das gewünschte Bild im Kasten ist und so geht es dann weiter, zwischendurch wird oft nochmal umgestylt, das Set umgebaut oder man fährt zu einer anderen Location, wenn man draußen shootet.

 

Erzähle und doch von deinem schönsten und/oder prägendsten Erlebnis in deiner Laufbahn.

Ich erzähle es immer wieder gern, mein erster Job war auch der tollste für mich. Ich habe Las Vegas und Los Angeles sehen können, das war so wahnsinnig aufregend. Das Team war absolute klasse und mich dann nachher zum ersten Mal im Schaufenster zu sehen, war schon ein Wahnsinns-Gefühl 🙂

 

Foto: Doris Megger
Foto: Doris Megger

Foto: Doris Megger 

 

Die Kurvenszene entwickelt sich in den letzten Jahren rasant. Wo siehst du sie in 5 Jahren? Was wird sich Deiner Meinung nach noch entwickeln?

Ja, ich habe selbst erlebt, wie viel sich tut und hoffe, dass noch ganz viel kommen wird. Ich wünsche mir, dass Plus Size nicht mehr Nische ist, was „besonderes“ sondern alltäglich wird, als ganz normal angesehen wird, dass Plus Size Models nur noch Models genannt werden und das Ganze nicht mehr belächelt wird, wie es leider noch immer der Fall ist, vor allem in den Medien. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg dahin 🙂

 

Und wo siehst du dich ganz persönlich in 5 Jahren? In welche Richtung möchtest du dich und deine Karriere entwickeln?

Ich werde ja nun auch nicht jünger und habe noch mein zweites Standbein hinter der Kamera. Ich shoote mittlerweile auch für internationale Magazine, was ich gern ausbauen möchte. Dann plane ich mit meiner Businesspartnerin aus Dänemark Model Seminare, da es leider keine Ausbildung für Plus Size Models gibt, was mir damals auch sehr gefehlt hat. Zusätzlich wollen wir weltweit Fashion Shows veranstalten und haben dafür auch schon Models wie Laura Wells, Fluvia Lacerda, Whitney Thompson und mehr als Botschafterinnen gewinnen können. Ich hoffe, dass sich das gut entwickeln wird 🙂
Und natürlich möchte ich gern noch so lange vor der Kamera stehen, wie ich kann, weil mir der Job einfach riesigen Spaß macht.

 

Foto: Carmakoma
Foto: Carmakoma
 Foto: Carmakoma

 

Wenn du dir 3 Bekleidungsmarken aussuchen könntest, welche in Zukunft auch Mode in großen Größen produzieren, welche sollten dies sein?

Gute Frage 😉 Ich habe das Glück, eine Größe zu tragen, in der ich auch noch bei den Standard-Größen fündig werde und die meisten Läden, in denen ich kaufe, haben ja jetzt schon große Größen. Selbst Guido Maria Kretschmer, dessen Style ich sehr schätze, hat mittlerweile eine Kollektion in großen Größen heraus gebracht. Ob Herr Lagerfeld für Chanel wohl mal eine Plus Size Linie raus bringt? *Hahaha 😀

 

Und welche 3 Shops verdienen sich jetzt schon eine goldene Nase an dir? Gib unseren Lesern doch einen kleinen Einblick in deine Lieblingsshops, vielleicht können wir ja Neues entdecken J

Ich bin ja bekennender Carmakoma-Fan, liebe die Kleider von Doris Megger, auch, wenn ich mir da nur welche vom Schnäppchen-Ständer leisten kann 😀 und habe mich schon in einige Teile des niederländischen Labels Ophilia verliebt, für die ich schon einige Male gearbeitet habe.
Basics kaufe ich normalerweise in den alt bekannten Shops wie H&M oder C&A.

 

Stichwort „Hater“: Wir Plus-Size Blogger müssen uns ja immer wieder rechtfertigen – wie zum Beispiel, wir sollen abnehmen und nicht rumjammern, dass uns die schönen Marken nicht passen. Ist man als Model solchen Beleidigungen auch ausgesetzt und wenn ja, wie gehst du mit solchen Kommentaren um?

Ja, bei mir ist es sogar so, dass es aus zwei Richtungen kommt. Den einen bin ich zu dick, den anderen zu dünn. Da kommen Kommentare wie: „Mit der Konfektionsgröße sitzt man den ganzen Tag nur auf der Couch und frisst Chips“ (zu der Zeit habe ich gerade für einen Triathlon trainiert) oder „wie fett und ekelhaft“, etc. Besonders schlimm war es in der Zeit, als ich viel in den Medien zu sehen war, nach meinem Interview für Spiegel Online im letzten Jahr brach ein regelrechter Shitstorm auf deren Facebookseite los. In Italien fand ich einen Blogbeitrag, in dem ich „deutscher Panzer“ genannt wurde…

Auf der anderen Seite wird sich oft darüber beschwert, dass ich als Plus Size Model arbeite, weil ich in den Augen einiger nicht „dick“ genug bin, auch da kommen schonmal nicht ganz nette Kommentare, was ich schade finde, sollten wir nicht für mehr Vielfalt sein, gegenüber anderen auch so viel Toleranz haben, wie wir uns selbst wünschen?

Anfangs hat mich das alles sehr getroffen, ich war ja auch überhaupt nicht auf sowas vorbereitet. Mittlerweile lese ich das erst gar nicht. Ich weiß, ich kann es nicht jedem Recht machen, dem einen gefällts, dem anderen eben nicht..

 

Silvana, du bist ja auch als Fotografin unterwegs. Welche Art von Shootings machen dir am meisten Spaß?  Gerne darfst du uns auch ein paar Einblicke gewähren.

Ein bisschen was hab ich ja oben schon geschrieben, ich shoote wahnsinnig gern Editorials für Plus Size Magazine, habe da mittlerweile auch ein großes Netzwerk aufgebaut, was Models, Designer, Visagisten, etc angeht. Es ist toll, wenn ich meine Ideen umsetzen kann und ich hab das Glück, viele tolle Kolleginnen zu haben, die sich gern dafür zur Verfügung stellen 😉
Ich finde auch schön, Newcomer Models abzulichten, zB für ihre Agentur und danach ihren Werdegang zu verfolgen.
Ich habe auch regelmäßig schlankere Mädels vor der Kamera, wobei ich mich tatsächlich mittlerweile mehr auf Plus Size spezialisiert habe.

Natürlich mache ich auch Hochzeits- oder Familienshootings. Ich liebe meinen Job hinter der Kamera mindestens genauso wie davor.

 

 

Foto: Christian Lauer
Foto: Christian Lauer
Foto: Christian Lauer

 

Mal aus dem Nähkästchen geplaudert: Gibt es einen Unterschied, ob man mit schlanken oder fülligen Models shootet? Sind „Dicke“ wirklich lockerer und lustiger, oder eher gehemmter vor der Kamera?

Ich habe in den letzten Jahren viele tolle Models und Frauen kennengelernt. Sowohl sehr schlanke als auch aus dem Plus Size Bereich. Spaß hat es immer gemacht, aber ich habe schon festgestellt, dass es mit den kräftigeren Mädels oft etwas lockerer und ungezwungener abgelaufen ist. Besonders aufgefallen ist dies bei meinem Kalenderprojekt, wo ja wirklich ein Haufen Mädels zusammen gehockt hat. Alle haben sich gegenseitig geholfen, Schuhe ausgetauscht, es gab kein Gezicke, nichts. Darauf bin ich sogar mehrmals im Nachhinein angesprochen worden 🙂
Trotzdem muss ich sagen, dass es nie wirklich mal Probleme bei Shootings gab, egal, wer davor stand. Ich achte aber auch immer sehr darauf, dass sich meine Models möglichst wohl fühlen, weil man das den Fotos einfach ansieht.

 

Modeln und Fotografieren – das scheint bei dir ja wunderbar nebeneinander zu Funktionieren. Kann man sagen, dass du Deinen Traum lebst?

Absolut! Dabei wollte ich eigentlich immer Medizin studieren. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass sich mein Leben mal so entwickeln würde, aber mittlerweile kann ich mir nichts schöneres vorstellen.

 

Wir sind neugierig, wer dir in den sozialen Netzwerken folgt, bekommt ja auch manchmal mit, an welchen spannenden Projekten du arbeitest. Kannst du uns schon verraten, was wir in der Zukunft von dir sehen werden?

Ein bisschen was habe ich ja oben schon verraten, dazu stehen einige tolle Shootings in den nächsten Wochen hinter der Kamera an. Dafür habe ich tolle Models gewinnen können, sogar auch aus den Niederlanden und Frankreich.
Im September gibt es die erste Fashion Show in Dänemark und ich werde bald mein eigenes Kleid designen. Ich bin schon ganz aufgeregt <3

 

Noch eine persönliche Frage: Bist du zufrieden mit deinem Körper? Wenn Du dich entscheiden müsstest – 100 000 Euro Shoppinggeld oder deine Traumfigur. Was würdest du wählen?

Natürlich hab ich auch Tage, an denen ich das ein oder andere austauschen möchte, mal finde ich meine Schenkel zu kräftig (waren sie immer schon) oder meine Arme, aber im Großen und Ganzen bin ich zufrieden. Ohne meinen Körper wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin 🙂 Und für 100000€ könnte man schon verdammt viel tolles shoppen 😉

 

Ohne welche Accessoires gehst du nie aus dem Haus?

Mein Iphone 😀

 

7 kurze Fragen

 

Paris oder London? London <3 Eine meiner Lieblingsstädte

Chanel oder Dior? Chanel, auch wenn Herr Lagerfeld nicht unbedingt mein Fall ist aufgrund einiger Äußerungen, so mag ich seine Kollektionen schon sehr…

Strandurlaub oder Städte-/Rundreise? Kommt auf den Strand oder die Stadt an → in Dänemark auf jeden Fall Strand, ich liebe das Meer, aber keine große Hitze, mag aber auch Städte, wie eben London oder Rom

Süß oder salzig? Salzig 😉 (Pizza-Libehaber :D)

Heels oder Flats? Immer Heels! Trage ich seit ich 13 bin, selbst beim Fotografieren trage ich mein Keilabsätze 😉

Business oder Casual? Business! Absolut mein Stil

Berlin oder New York? New York! Einer meiner Träume, dort als Model zu arbeiten

  

Doris Megger
Doris Megger
 Foto: Doris Megger

 Was möchtest du unseren Lesern unbedingt noch mitteilen?

Ich sag immer gern: Geht entspannter mit euch selbst um, es gibt wichtigeres und so viel schöneres im Leben, als jeden Tag nur ans Gewicht und den Körper zu denken. Ich habe das selbst viel zu lange gemacht und damit zu viel Zeit verschwendet.

 

Finden könnt ihr Silvana auf folgenden Kanälen:

 

www.silvana-denker.de – Model

www.silvana-denker.com – Fotografin

 

Facebook: Plus-Size-Model Silvana Denker

Facebook: Fotografin Silvana Denker

http://instagram.com/silvanadenker

https://twitter.com/SilvanaDenker1

 

Eigentlich fast überall unter Silvana Denker zu finden 😀

 

 

Ich danke Dir Silvana für dieses ausführliche und absolut sympathische Interview. Ich habe es mit Begeisterung gelesen und der kleine große Fan in mir ist noch ein wenig größer geworden 🙂

 

Und wie geht es euch? Findet ihr Silvana auch so toll? Lasst es uns wissen!

Unterschrift

 

 

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1 Comment

  • OchAsia
    August 23, 2014 16:47

    I regret that I cannot understand deutsch, what a shame!

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