„Ich hasse diese fetten Menschen, die mir das antun“

Mit diesem Satz traf die englische Kolumnistin Katie Hopkins in der letzten Woche den Nerv von vielen Menschen. Die Reporterin ist der Meinung, dass Gewichtsabnahme kein Problem sei und nahm deshalb im Selbstversuch 20 kg in 3 Monaten zu, um sie im selben Zeitraum wieder abzutrainieren (unter anderem hier nachzulesen).  Sicher auch der Publicity wegen, aber vor allem auch aus Hass auf alle, die nicht wie sie landläufige Idealmaße haben. Den Satz „Ich hasse diese fetten Menschen, die mir das antun“ schrieb sie in ihr Tagebuch, das sie während der massiven Gewichtszunahme führte und aus Wut darüber, was sie alles essen musste, um das zu erreichen.

 

Wie immer, wenn ich solch polemischen Aussagen lese, musste ich kurz durchschnaufen. Und dann fing ich an, mir Gedanken über den Menschen zu machen, der von seinem Selbsthass so weit getrieben zu sein scheint, dass er sich selbst und seinem Körper eine Radikalzunahme inklusive Radikalabnahme innerhalb eines halben Jahres antut, nur um eine Projektionsfläche zu haben, um eine Menschengruppe zu diffamieren, die man noch mehr hassen kann, als sich selbst.

 

Hass gegen alles andere ist allgegenwärtig

Das Schlimme ist, dieser Hass ist allgegenwärtig. Draußen auf der Straße bekomme ich ihn eigentlich nicht zu spüren. Also, nicht offensichtlich, sehr selten werde ich mal angepöbelt oder bei kleinen Auseinandersetzungen fallen Sätze, wie sie eben fallen, wenn man bei seinem Gegenüber den offensichtlichsten Schwachpunkt sucht, weil man nur noch etwas sucht, mit dem man treffen kann.  Ich erinnere mich an eine Situation, in der jemand neben mir parkte und der Meinung war, ich hätte mit der Tür seine Rostlaube beim Einsteigen gestreift. Nach einem: „Ich hol die Polizei, Sie müssen bezahlen“-Tobsuchtsanfall, der nichts brachte, weil ich damit einverstanden war und anbot, die Polizei auch gern selbst zu rufen, kam dann eben die „Nein, rufen Sie nicht die Polizei, das könnte Kalorien verbrennen, das ist nicht gut für Sie“-Idiotenkeule. Mittlerweile kann ich zurückschlagen und verwies auf meinen Mercedes und seinen antiken, verbeulten Corsa  und eventuelle Probleme mit der Größe des Gemächts und fuhr davon. Manche Männer ertragen es eben oftmals nur schwer, wenn eine Frau ein besseres Auto fährt. Wenn dazu noch ein kleiner Penis kommt, muss man pöbeln. Mittlerweile komm ich klar damit.

 

Gehasst wird in allen Bereichen

 

Anders verhält es sich mit den „Hatern“ im Internet. Denn während ich mir im Reallife denke, ach, ich glaube wir sind eine tolerante Gesellschaft geworden, schlägt einem im Internet oft der ganze anonyme Hass der Kommentare entgegen. Nicht einmal hier auf dem Blog, nein, komischerweise bleibe ich da weitgehend verschont. Nein, ich meine die Kommentare unter Zeitungsartikeln, unter Bildern auf Facebook, Twitter, Tumblr, alle sozialen Netzwerke, in denen es um Übergewichtige geht.. Natürlich weiß ich, dass es Hater in allen Bereichen gibt. Beschimpft werden alle Menschen, manche wegen ihrer Hautfabe, ihrer Sexualität, Religion oder vielleicht auch nur Haarfarbe, Tattoos oder Lebensstil. Erschreckend finde ich in allen Bereichen, wie deutlich „gehasst“ wird. Und die Anonymität dahinter macht mir Angst.  Denn hinter jedem, der im Internet von Abschlachten, Kopfschuss oder Aufhängen erzählt, könnte der nette Herr von nebenan stecken. Man sieht den Leuten ihre kranke Denkweise ja meist nicht an, die wenigsten tragen diese auch nach außen.

 

In den Kommentarspalten der Magazine kann man die wahren Gedanken der Menschen einsehen

 

Auch wenn ich es nicht tun sollte, weil ich mich nicht aufregen will, aber wenn Spiegel Online oder ähnlich große Seiten Berichte über Übergewicht oder Übergewichtige veröffentlichen, dann gebe ich mir wirklich diesen Akt, und lese die Kommentare. Und dann bin ich erstaunt. Zu jedem noch so meiner Meinung nach unstrittigen Thema, gibt es immer mindestens 2 Meinungen. Ob Nordkorea oder PEgIdA, selbst bei Nobelpreisen oder heldenhafter Zivilcourage, in den Kommentaren schlagen sich die Leute immer die Köpfe ein. Am wenigsten Gegenwehr gibt es aber meist, wenn es um die Fetten geht. Da sind sich alle einig. Faul, gefräßig, Belastung der Krankenkassen, unser aller Ruin. Aber warum dieser Hass? Auch wenn ich faul und gefräßig bin, was interessiert es denn meinen Gegenüber? Beeinträchtigt es ihn? Selbst wenn ich die Krankenkasse belasten würde, mit all meinen übergewichtigen Buddys (bei diesem Argument führe ich gerne an, dass ich genug verdiene, um mich privat zu versichern – auch so eine Aussage, die gerne zu rasender Wut beim Gegenspieler führt. Aber wieso eigentlich? Dadurch belaste ich seine Krankenkasse doch gar nicht?), belastet jeder Raucher, jeder Sportler mit Sportverletzungen und jeder alte Mensch die Krankenkasse.

Ich war in den letzten 10 Jahren so gut wie nie beim Arzt. Dafür habe ich in den ersten zehn Jahren meines Lebens die Krankenkasse ein Vermögen gekostet, durch komplizierte Operationen nach einem Reitunfall.

 

Also muss ich mal weiterforschen, woher dieser Hass kommt. Rational ist er für mich nicht begründbar. Vielleicht, weil man gerne hasst, was anders ist. Oder weil man den gemütlichen Dicken dafür hasst, dass er eben einfach noch die 3 Cookies isst, während man sich selbst grämt, sie nicht mehr essen zu können, weil sonst die Hose morgen zwickt? Und dann auch noch glücklich damit ist, weil Schokolade eben einfach glücklich macht?

Jedenfalls macht es mir Angst, dass da draußen so viele Leute sind, die mich verachten. Die mich dabei sogar freundlich grüßen. Und mir währenddessen die Pest an den Hals wünschen. Ich habe gestern Abend eine Reportage über den „Kannibalen von Rothenburg“ gesehen. Ich fand es absolut erschreckend, wie ruhig und sachlich er über seine Neigung sprach, als sei es vollkommen normal, jemanden zum Dinner zu verspeisen. Und dann im Gegensatz dann die Aussagen der Nachbarn. Er war so ein netter Onkel. Er hat doch immer nett gegrüßt.

Sowas macht mir Angst. Natürlich will ich Dickenhasser jetzt nicht mit einem Kannibalen vergleichen (Wäre ja auch ganz schön doof, schließlich hat man mit uns eine vollwertige Mahlzeit). Ich will nur deutlich machen, dass man nicht jedem, der geistiger Brandstifer online ist, seine geistige Haltung auch an der Nase ansieht.

 

Ich will nicht freundlich gegrüßt werden

 

Ich möchte ein Gesicht zu den Menschen haben, die mir den Tod wünschen. Oder Ruin, Krankheit, Scheidung, alles Schlechte dieser Welt. Ich möchte nicht nett gegrüßt werden von jemandem, der mich widerlich, abartig und ekelhaft findet.

Und hier bin ich wieder bei der Dame vom Anfang, Katie Hopkins, die sich 20kg anfutterte, um es uns allen zu beweisen. Menschen wie Sie, sind mir lieber. Denn da weiß ich, woran ich bin. Sie wird mir nicht nachts mit der Axt auflauern, sie weint lieber in Ihr Tagebuch und veröffentlicht ihren Frust. Sie gibt dem Hass ein Gesicht. Damit kann ich leben.

 

liebe Grüße, eure

 

Unterschrift

Facebook Kommentare

29 Comments

  • Lisa
    Januar 6, 2015 18:25

    toller Post liebe Elli :-*

    • Elli
      Januar 6, 2015 18:29

      Danke liebe Lisa 🙂

  • Bine
    Januar 6, 2015 19:12

    Ich hab den Titel auch gelesen .. aber nicht den Artikel.
    Ich möchte nicht mit solch negativen Menschen zu tun haben und der Stress ist es nicht wert.
    Ich fühle mich auch gar nicht mehr angesprochen bei so Sachen.
    Sehen tue ich es ähnlich wie du und erfahre es natürlich auch ähnlich. Aber wirklich was ändern
    wird sich nur langsam was … seeeehr langsam 😉

    ♥Bine

    • Elli
      Januar 6, 2015 19:38

      Du hast recht, eigentlich sollte man diesen negativen Menschen keine Aufmerksamkeit verschaffen, nicht einmal gehör sollten sie finden. Dann war es ihre Mühe nicht wert.

  • yggdrasil
    Januar 6, 2015 19:19

    Liebe Elli,

    ich beobachte das schon seit Jahren: Die Gesellschaft driftet immer mehr in Extreme ab, egal ob es um Religion, politische Gesinnung oder eben das Gewicht eines Menschen geht. Auf der Autobahn gibt es fast nur noch Raser und Drängler („Was macht die olle Schlampe da mit lächerlichen 160 auf MEINER Spur?“) oder Schleicher („Den LKW überhole ich doch locker mit 82,5 km/h!“) und im Supermarkt liefern sich militante Veganer (gibt ja auch andere…) und reine Carnivoren Grabenkämpfe.

    Ich weiß nicht. Trägt das Internet mit seiner Möglichkeit der anonymen Kommentare dazu bei oder treffen da nur zwei Dinge zufällig aufeinander?

    Angst macht es mir auf jeden Fall. Ich kann nicht von jedem geliebt werden, das ist mir klar und bislang war es mir auch herzlich egal, ob Herr Müller von zwei Straßen weiter meine Sockenfarbe gefallen hat. Langsam fürchte ich mich aber, dass ich irgendwann mal ernsthaft körperlich oder seelisch Schaden nehme, weil ich eben blaue und keine lila Socken getragen habe. – So im übertragenden Sinne.

    Ich finde immer noch: Tu was du willst, solange du niemandem damit schadest. – Und das schließt dich selbst mit ein. Es gibt stämmige, dicke und richtig, richtig fette Leute, die eine prima Ausdauer haben, gesund und fit sind und auf der anderen Seite schlanke, dünne und magere Leute, die körperlich ein Wrack sind – genau so wie anders herum. Jeder Mensch ist nunmal verschieden. Leider vergessen (oder ignorieren?) das (zu) viele Menschen heutzutage.

    Wie sich das ändern lässt? Keine Ahnung. Leider.

    LG

    • Elli
      Januar 6, 2015 19:37

      Danke für deinen ausführlichen Kommentar 🙂 Ja, dass es irgendwann einmal zu körperlichen Übergriffen kommt, weil es nicht mehr ausreicht, nur ein reiner Schreibtischtäter zu sein, das befürchte ich auch.

  • Luciene
    Januar 6, 2015 19:52

    Hei Elli…bin einfach traurig damit…hass is wieder geselschaftsfähig bei uns ,leider.Bussi.Luciene

  • Elisabeth
    Januar 6, 2015 20:03

    Liebe Elli,

    ich bin hier heute zum ersten Mal unterwegs und von Deinen Gedanken sehr beeindruckt. Es erscheckt mich ebenfalls, mit welcher Härte im Internet oder den Medien allgemein das „Dickenbashing“ stattfindet, ohne das hiergegen wirksam die Stimme erhoben wird. Offenbar ist es mittlerweile gesellschaftlicher Konsens, dass man an dicken Menschen problemlos alle Formen der Beleidigung und Verachtung ausprobieren darf. Warum sich der Hass gerade auf dicke Menschen konzentriert, kann ich nicht nachvollziehen. Es gibt so viele Themen aus Gesellschaft, Politik, Umwelt etc., für die sich ein gemeinsames Verbünden bzw.Kämpfen lohnen würde – aber das setzt natürlich voraus, dass man sich informiert, mit den Dingen auseinandersetzt. Da ist es doch einfacher, wenn man die Schwarz-Weiß-Brille aufsetzt und aus der anonymen Deckung heraus auf „die Dicken“ eindrischt. Trotzdem: eine richtige Erklärung habe ich für das Phänomen nicht. Aber auch bei namentlichen Publikationen, wie bei der von Dir angesprochenen Frau Hopkins (deren Artikel ich garantiert nicht lesen werde…..), scheint es ja solche Enthemmungstendenzen zu geben.
    Vielen Dank für diesen super Post.
    Elisabeth

    • Elli
      Januar 6, 2015 20:48

      Und vielen Dank für deinen lieben Kommentar 🙂

  • Fiona
    Januar 6, 2015 20:17

    Puh also ich find deinen Post an sich gut. Aber so Sprüche wie „mein Mercedes“ und „Ich verdiene genug um mich privat zu versichern“ find ich doch etwas arrogant angehaucht.
    Und sich auf eine Stufe mit alten menschen zu setzten finde ich auch absolut nicht richtig. Meine Meinung: Die meisten Übergewichtigen können was für ihr Übergewicht und die meisten Raucher sind auch selber Schuld…aber dass die Leute alt werden – ähm dafür können sie ja jetzt mal echt nicht so viel.
    Klar gibt es auch Übergewichtige die Krankheiten haben oder Medikamente nehmen müssen von denen rede ich absolut nicht und ich rede auch nicht von Menschen, die 5-10kg mehr auf den Rippen haben. Ich bin auch kein Fan des Magerwahns aber auch wenn du momentan die Krankenkasse nicht mehr Geld kostest auf Grund des Übergewichtes dann ist es doch sehr wahrscheinlich, dass es in ein paar Jahren anders aussehen wird. Übergewicht ist nunmal ein Risikofaktor für diverse Krankheiten.
    Zu ananoymen Hasskommentaren im Internet muss ich dir absolut Recht geben. Da ist absolut viel hirnloses und geschmackloses dabei was ich auch nicht in Ordnung finde!
    Ich hoffe du siehst das hier nicht als persönlichen Angriff ich habe deinen Bericht mit Interesse gelesen und gebe dir in manchen Punkten Recht in anderen ist meine Meinung eben etwas anders als die deine.
    Liebe Grüße Fiona

    • Elli
      Januar 6, 2015 20:48

      Hallo Fiona, ja du magst recht haben mit dem arrogant angehaucht, jedoch kommen solche Sprüche nur nachdem mich jemand blöd anmacht, und niemals davor. Aber wer mich von oben herab behandeln will, den behandle ich eben auch so. Und keine Angst, ich beisse nicht 😀

  • Vera
    Januar 6, 2015 20:35

    Hallo,

    was für ein ehrlicher Artikel!
    Ich glaube du hast es ganz gut auf den Punkt gebracht: Man sucht sich jemanden, den man mehr hassen kann, als sich selbst.
    Aber ehrlich gesagt glaube ich, dass Hass kein explizites Problem unserer Zeit ist. Hass gab es immer, die Ziele haben sich vielleicht geändert und es äußert sich heute im Internetzeitalter anders. Die Juden, die freizügigen 68er, die Dicken, die Erfolgreichen, die Reichen, die Dünnen,… und immer hat es mit Neid zu tun. Es gibt nichts, das ich schlimmer finde als Neid – das macht so viel kaputt.
    Das Beruhigende ist: Die Menschen machen sich selbst am allerschlimmsten fertig. Ich finde deinen Artikel deshalb sehr gut, gleichzeitig hoffe ich aber auch, dass du dir nicht zu viel Gedanken machen musst um die Menschen, die ständig nach Opfern suchen… Die bestrafen sich selbst am härtesten!

    Übrigens ist dein Layout wirklich toll!

    LG Vera

    • Elli
      Januar 6, 2015 20:46

      Vielen lieben Dank! 🙂

  • Major
    Januar 6, 2015 20:59

    Ein sehr schöner Eintrag. Das mit den drei Keksen macht mich nachdenklich. Wäre ich glücklicher, wenn die innere Stimme nicht dauernd ruft „vor einem ist schluss!“? Ich gehöre nicht zu denen, die auf jedes Gramm schauen. Wenn ich versuchen würde, 20 kg zuzunehmen, würde ich vielleicht 2 kg mehr drauf haben, wenn Katie bei 20 angekommen ist.
    Trotzdem bin ich unglücklich, weil ich ja zunehmen KÖNNTE. von diesem einen keks.

    Hass gibt es auch für mich genug. Weil auf meinem Teller kein Fleisch liegt. Weil ich sehr helle Haut habe. Weil ich sehr dünn bin. Weil ich nicht alle stereotyp-weiblichen Konventionen mitmache („Hä? Was bist du denn jetzt? Trans bist du ja auch nicht!“).

    Hass sitzt derzeit sehr locker, zusammen mit „Lasst mich doch alle in ruhe!“. weil die leute ihr handy nicht aus der hand legen können, weil zu viel in zu kurzer zeit auf sie einprasselt. sie sind müde und überfordert und versuchen das, auf andere wegzuprojezieren.

  • Lourdes
    Januar 6, 2015 21:54

    Katie Hopkins sucht doch nur Aufmerksamkeit da komischerweise alle Ihre „Projekte“ agressiv sind, sei es gegen Dicke, Moslime oder sonst wen. Sie kann sich selbst nicht lieben. Schlimm finde ich, dass einige Menschen es toll finden was sie tut und es voll ernst nehmen, was sie schreibt. Diese Menschen sind in meinem Augen viel gefährlicher. Hab selbst erlebt wie eine schlanke Mutter mit Baby im Kinderwagen und Schulkind an der Seite einen übergewichtigen Mann beleidigt hat. Da bin ich auf sie zugegangen und hab ihr meine Meinung gesagt. Ihr Mann stand auch noch daneben, alle hatten die Münder offen und waren baff auch die Passanten. Wir Erwachsene sind nun mal Vorbilder und ich würde mich nicht wundern, wenn ihr Kind andere Kinder in der Schule beleidigt und beschimpft. Ihre Mutter tust es schließlich auch.

  • Heffa Fuzzel
    Januar 6, 2015 22:17

    Liebe Elli – hach. Danke für diese gefühlvolle, wahre Kolumne!
    Ich wurde mal dumm angemacht. Von Kids, die bestimmt 15 Jahre jünger sind als ich. Da denkt man sich als 25-jährige auch, wer die groß gezogen hat.
    Was man mir aber nicht ansieht, dass über 10 Jahre Leistungssport gemacht habe, danach in der Freizeit beim Hochschulsport Volleyball und demnächst Football spielen werde.
    In meinem Jahrgang war ich als Dicke gefürchtet, weil ich mich nicht beleidigen ließ und mit Worten zurückschlagen konnte. Da bildete sich irgendwann auch mein Sarkasmus aus. Anders erträgt man dumme Kommentare oft nicht. Trockener Humor gegen stumpfe Dummheit. Guess who always wins.

    Das man als dickere Person zudem gegen die ganzen „Hater“, wie man sie neudeutsch nennt, bei Sportfesten den ersten Platz im Dreikampf erzielen kann … yo, wer hätte das gedacht.
    „Wenn du so viel Sport macht, warum bist du dann dick?“ – „Woher soll ich das wissen, du bist es, dem es aufgefallen ist; dem es stört; dem es interessiert.“
    ————–
    „Man sieht den Leuten ihre kranke Denkweise ja meist nicht an (…)“
    Ich musste direkt daran denken, was meine Mum kürzlich meinte. Im Pausenraum hat sie 1-2 Kollegen mit denen sie immer viel Blödsinn macht und viel lacht. Und dann kam irgendwas „braunes“ als (scherzhafter) Kommentar getarnt. Und meine Mum meinte nur, genau sowas dummes sagen Leute die gewissen Parteien wählen würden. Und der Kollege mit einer Selbstverständlichkeit: „Was meinst du, was ich im wähle.“

    Da viel meiner Mum buchstäblich die Kinnlade in den Keller. Bis heute sagt sie, dass es unfassbar sei, dass sie mit ihm eigentlich klarkommt, aber diese Einstellung einfach ein no-go ist.
    —————

    Sorry für den Roman. Aber dieses Thema ist einfach nie ausgelutscht. Sobald man „anders“ ist, ist man potentiell eine Gefahr für die, die sich „normal“ nennen.
    Aber weißt du was? Normal ist langweilig.

    LG, Heffa

  • jaybee
    Januar 6, 2015 23:23

    aloha elli, wirklich ein wundervoll geschriebener text. ich kann dir nur zustimmen, menschen hassen …. ich selber wurde wegen meines untergewichts über meine gesamte schulzeit hinweg gemobbt und muss mir selbst heute noch sagen lassen ichsei magersüchtig. wie man sieht, man kann es der gesellschaft nicht revht machen . der großteil denkt nicht darüber nach das körper unterschiedlich arbeiten von der verbrennung und das es gar an den genen liegt. ich komme nie über 50 kg meist bin ich so bei 46-48 kg auf 173 und das obwohl ich esse esse esse (mein viiiiiiiiieeeeeeel zu hoher cholesterin haushalt ist der beweis das ich eigentlich nur schrott esse) und meine schwester mit 171 knapp das doppelte von mir wiegt trotz bewusster gesunder ernährung und an manchen tagen auch kaum. wir haben aber auch unterschiedliche väter. bei ihrem vater sehen alle so aus und bei meinen vater alle wie ich. bei anderen ist es krankheitsbedingt und der nächste isst vllt wirklich nur viel und ungesund und bewegt sich nicht.
    und das sie innerhalb von 3 monaten wieder abgenommen hat… glückwunsch Aber wie gesagt bei vielen liegt es nicht am übermaß von essen…. bewiesen ist damit gar nix außer ihr trauriges ego

  • neontrauma
    Januar 7, 2015 06:34

    Hallo Elli,

    ein toller Artikel (und ich liebe deinen Sarkasmus zwischen den Zeilen!).

    Ironischerweise ist das Gewicht aber auch dann eine Zielscheibe, wenn man dünn ist. Und dann sogar noch verdrehter… Kommentare wie „Echte Frauen haben Kurven!“ oder „Nur Hunde stehen auf Knochen!“ stoßen regelmäßig auf viel Beifall (werden sogar auf T-Shirts gedruckt etc.)), weil sie ja anscheinend zeigen, wie *normal* jemand tickt und nicht den überzogenen Size Zero-Wahn unterstützt. Muss ja ein toller Mann sein, der sowas sagt. Und so wohlmeinend den Frauen gegenüber, denen er sogar einen Keks gönnt. Wow!
    Bloß – dass solche Sätze einen genauso für ein bestimmtes Gewicht verurteilen und eine ganze Persönlichkeit auf eine Kilozahl reduzieren. Und gefühlt ist es gesellschaftlich sogar deutlich akzeptierter, offen über Untergewichtigte zu lästern („Magersüchtig!“, „Knochengestell!“, „Iss halt einfach mehr und stell dich nicht so an!“), während man sich das bei Übergewichtigten nicht traut. Was dahintersteckt… vielleicht die Angst, selber zuzunehmen, sodass man sich deutlich von „den Übergewichtigen“ abgrenzen muss? Und umgekehrt Neid auf Dünnere? So oder so – ich finde es erschreckend, wie viel Stellenwert dem Gewicht beigemessen wird.

    • Elli
      Januar 7, 2015 09:32

      Da gebe ich dir recht, ich mag diese Schüsse in die andere Gewichtsrichtung genau so wenig, denn auch hier sollte man leben und leben lassen. Sprüche wie „Klappergestell“ oder „nur Hunde spielen mit Knochen“ verletzen genau so, meistens implizieren sie nämlich auch nur den Neid auf die Figur des anderen.

  • Christina Dingens
    Januar 7, 2015 19:30

    Liebe Elli, mich hat der Artikel auf den du dich beziehst sehr betroffen gemacht. Vielen Dank für deine Gedanken zu diesem Thema. Wir alle machen es uns leicht, in dem wir in Schubladen denken. Das ist Menschlich und wer kann sich davon frei machen?!. Wir möchten uns zugehörig fühlen oder uns abgrenzen, je nach dem. Ich kann damit Leben, dass andere Menschen dicke nicht ästhetisch finden. Mich törnt geistige Armut ab, auch wenn sie in einem schönen Körper daher kommt, so what. Was mich aber zunehmend dabei stört ist, das die Menschen immer egoistischer werden. Daraus resultiert, dass die Empathie und das Verständnis für andere auf der Strecke bleibt. Wo nur ein „Ich“ und „Mein“ vorherrscht und nur die eigene Meinung, Lebensführung der Lifestyle Wertgeschätzt wird ist kein Boden für Konnivenz. So kann einfach keine Toleranz entstehen. Stellt man dann fest, das man mit sich selber nicht zufrieden ist, entlädt man seinen Frust eben an anderen, schafft sich ein Feindbild, das man verurteilt und ausgrenzt. Es ist ja nach den eigenen Maßstäben nichts wert. Wir sehen das doch überall in der Welt, Religionen, Geschlecht, Ethnie. Gibt es etwas wofür wir Menschen uns nicht schon gegenseitig Gewalt angetan haben?! Das Gewicht ist eine sehr offensichtliche Sache, die es Menschen, die mit ihrem Frust nicht anders umgehen wollen als andere zu hassen einfach macht. Es ist vor allem ein Gesellschaftsfähiger Hass, das ist die Tragödie. Dafür muss man sich nicht schämen….Traurig, das wir die Vielfalt nicht schon in jungen Jahren ausreichend wertschätzen lernen.

  • Lisa
    Januar 8, 2015 11:17

    Toleranz ist schwer zu lernen. Wobei…. tolerieren? Eigentlich auch falsch oder? Jeder darf doch so sein wie er möchte. Wenn Liesschen Müller es toll findet ihre pinke Unterhose auf dem Kopf zu tragen, so what?
    Ich kann wirklich nicht nachvollziehen wieso man gemein zu anderen Menschen ist.

    Jedoch… diese Miss Hopkins braucht wirklich einen Psychiater. Irgendwas laeuft bei ihr schief.

  • Michèle
    Januar 8, 2015 11:45

    Tja, das sind dann wohl die sogenannten First World Problems…

    http://www.thefashionfraction.com

  • Kathi
    Januar 9, 2015 14:05

    Oh man. Ich habe diesen Artikel diese Woche auch gelesen. Da fehlen einem echt die Worte – trotzdem tröstet mich die Tatsache in bisschen, dass er so durch die Presse geht und zwar nicht weil er so viel Zustimmung bekommt, sondern weil er ein regelrechtes Entsetzen ausgelöst hat. Ich finde wir kurvigen Frauen sollten uns dadurch nur bestärkt fühlen, dass sich so viele Leute dafür interessieren und im Endeffekt auf unsere Seite schlagen.

    Liebste Grüße,
    Kathi

  • Aileen
    Januar 11, 2015 16:07

    Ein sehr sehr schöner und wichtiger Artikel ! Hater gibt es immer und überall, es ist traurig aber wahr, die Gesellschaft versucht sich am ‚Elend‘ anderer zu ergötzen egal wie, egal wo und egal wann. Menschen finden immer Dinge, die sie ‚hassen‘ können, es ist einfach nur furchtbar. Ein mehr als trauriges Beispiel für diesen Hass ist wohl das neuste Ereignis in Paris, das wieder einen riesen Krater in die Menschheit und den Glauben an das Gute reißt 🙁

    Liebst,
    Aileen <3

  • Marie
    Januar 19, 2015 17:16

    Denen hat doch wer ins Gehirn gestrullert!
    Ich kann den anderen Anti-diesen-Beitrag-dieser-Dame nur zustimmen und habe nichts mehr zu ergänzen.
    Mach du bitte einfach dein Ding weiter, denn jeder ist so oder so gut so wie er ist.

    Lieben Gruß ♥

    • Elli
      Januar 21, 2015 17:37

      Liebe grüße zurück und danke für das liebe Feedback. Ich lasse mich nicht unterkriegen 🙂

  • Tigerlilly
    Januar 29, 2015 08:40

    Toll geschrieben!
    Bei den meisten Sachen kann ich dir auch voll zustimmen, aber

    „Manche Männer ertragen es eben oftmals nur schwer, wenn eine Frau ein besseres Auto fährt. Wenn dazu noch ein kleiner Penis kommt, muss man pöbeln.“

    finde ich schon daneben.
    Damit begibt man sich doch auf das gleiche Niveau wie der Pöbler.
    Und ich glaube bei den meisten gibt es nicht mal konkrete Gründe, warum sie sich anderen gegenüber so asozial verhalten.
    Oft steckt einfach ein geringes Selbstwertgefühl dahinter und das Gefühl sich nur beweisen zu können, indem sie versuchen andere runterzumachen und sich so selbst auch einreden können, dass der andere weniger wert ist.

  • Anke von Eckstaedt
    Januar 27, 2016 03:07

    Liebe Elli, großartig. Wirklich großartig geschrieben. Ich verstehe sehr gut, was du meinst, dass es dir lieber ist, wenn der Hass ein Gesicht hat. Inzwischen ist es bei mir anders. Ich wollte früher auch immer wissen, woran ich bin. Und heute- ganz ehrlich, Ich habe weder die Zeit, noch die Lust, mich mit Idioten zu befassen. Wenn jemand meint, er müsse 20 Kilo zunehmen, sich selbst das Essen selbst in den Mund führen und dann andere Menschen dafür verantwortlich zu machen, dann gehört das schlichtweg in therapeutische Behandlung und nicht in meine Gedankenwelt. Wenn der Nachbar hinter meinem Rücken über meinen Körper herzieht, dann muss er wohl wirklich keine anderen Probleme im Leben haben, als das Aussehen anderer Menschen. Was auch immer er hat oder nicht hat, es ist nicht meins. – du hat ein sehr wichtiges, sehr großes Thema wunderschön angesprochen. Danke!

    • Elli
      Januar 27, 2016 22:55

      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar!

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