Kehrwoche und andere Kuriositäten – Willkommen im Schwabenland

Heute soll es mal nicht um Mode gehen. Das liegt daran, dass ich noch krank bin und deshalb nicht zum fotografieren komme. Allerdings habe ich ein anderes Aufregerthema, das ich mir einfach mal von der Seele schreiben musste:

Ihr seid perfektionistische Mülltrenner? Ihr wollt euch gerne verpflichten, zwischen Samstag 07:00 Uhr und Sonntag 23:59 den Hausflur zu wischen und lasst euch dabei auch gerne kontrollieren? Ihr mögt auch gerne ein ungefragtes Feedback über eure Putzleistung und Mülltrennungsbemühungen haben? Perfekt, dann zieht ins Schwabenland! Hier bekommt ihr den ganzen Spaß, und das auch noch umsonst!

 

Morgens, 06:30. Morgenmuffeline schwingt sich elegant und wie immer ziemlich spät dran ins Auto, um die Garage zu verlassen. Tor auf, freie Fah…. Ääähh MOMENT?! Vor meiner Nase stehen sauber aufgereiht 10 Papiermülltonnen, um mich an der Ausfahrt zu hindern. Ich werde gemobbt vom Hausmeister? Warum? Weil er es anscheinend kann. Weil der Hausmeister im Schwabenland so etwas wie die höchste Instanz ist. Noch über dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Was der Hausmeister sagt, ist Gesetz. Ich wohnte noch keine 2 Monate im Landkreis Ludwigburg, da hatte ich schon meine erste Begegnung mit dem Müll-Sheriff. In unserem Landkreis ist das nämlich so – und ich glaube da gibt es nirgendwo anders und ich schüttele nun seit einigen Jahren schon den Kopf darüber: Der Müll wird nicht, wie überall anders, nach Papier, Plastik und Restmüll geteilt. Neeein, wo denkt ihr nur hin? Bei uns wird in „Rund“ und „Flach“ geteilt. Und ja, es ist genau so wie es sich anhört.

Der schwäbische Hausmeister kennt kein Erbarmen
Der schwäbische Hausmeister kennt kein Erbarmen

 

 

Nun darf in „flach“ also auch Verpackungsfolie. Denn die is ja flach, ne? Ja, verstanden, is ganz einfach. Um ganz sicher zu gehen, alles richtig zu machen, saßen wir also anfangs stundenlang vor dem Müll, mit dem bereits gut studierten aber nicht kapierten Infoflyer in der Hand, und sortierten. Man will sich ja nicht gleich unbeliebt machen. Um ganz sicher zu gehen hängen die Infos auch noch einmal über den Mülltonnen. Es kann also nichts schief gehen. Dachte ich. Bis ich morgens vom Blockwart Hausmeister aus dem Bett geklingelt wurde: „Jetzt kommen Sie mal mit mir da runter!“. Bedröppelt wie ein Schulkind, das seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, musste ich mir nun anhören, dass in seiner Welt keine Folie in den Flachmüll kommt, „denn das haben wir schon immer so gemacht“ und „wenn wir zwei keinen Ärger miteinander bekommen wollen, dann halten Sie sich besser daran“. Mkey. Ich habe verstanden. Die Müllpolizei darf sich also auch über die Müllregeln des Landkreises hinwegsetzen. Und wenn nicht, dann werden Mülltonnen vor mein Auto gestellt.

 

Wer nicht glauben kann, wie rabiat kehrwochenwütige Schwaben werden können, der lese bitte diesen Artikel: 

Kehrwütige attackiert Autofahrerin

 

Niemand kehrt vor der eigenen Tür.

Sowohl ich als auch mein Mann, wurden schon auf mein Bestellverhalten hingewiesen. Das sei ja schon ein bisschen viel was ich so bestelle (Nachbarin). Und die ganzen Kartons! (Hausmeister). Es wurden sogar schon Briefe aus dem Müll gefischt um zu beweisen, dass dieses eine, falsch sortierte Teil ganz sicher von uns in die Tonne geworfen wurde. Schuhe im Hausflur, eine Tasche in der Garage? Sofort muss die Hausverwaltung informiert werden und ein Aushang an die Pinnwand kommen.

Die im zweiwöchentlichen Wechsel stattfindende Kehrwoche erst Montags anstatt Sonntags gemacht? „Also hören Sie mal, dann mache ich aber am Freitag nicht schon wieder die Kehrwoche!“ „Laut von Ihnen veranlasstem Aushang der Hausverwaltung muss die Kehrwoche aber Samstag/Sonntag und nicht Freitags gemacht werden?“. „NEIN, Das habe ich schon immer so gemacht!“. Manche Regeln gelten nur für ausgewählte Leute.

 

Bild: Kawoompix/Pixabay
Altpapier in den Biomüll? Vorsicht, hier kann es sich um eine Falle handeln! Nicht jedes Papier darf zum Gemüse!

 

 

Inflationärer Aushang von Aushängen

Unser Hausflur ist besser bestückt als die Plakatwand vor einer Konzerthalle. „Kellerfenster schließen“, „Kehrwoche ordentlich und zu festgelegten Zeiten machen“, „Kehrwochenschild aufhängen und nicht vor die Tür stellen“. „Rauchen verboten“ (Leider wird sich daran nicht gehalten), „Keine Schuhe im Treppenhaus“, „keine Schuhregale im Treppenhaus“. „Keinen Tapetenkleister in der Toilette entsorgen“ (Ernsthaft?).

 

Ich denke, ich erstelle einen Aushang, dass das inflationäre aushängen von Aushängen zu vermeiden ist.

 

Manchmal parke ich auch auf der Straße. Weil ich Tüten zu tragen habe oder in der Nacht nicht mehr durch die Tiefgarage laufen will (weil – Angst!). Kommentiert bekomme ich dies dann mit Mülltonnen vor meinem Auto, die ich erst wegfahren muss, um einsteigen zu können. Denn ich soll doch nicht den anderen Leuten die einkaufen wollen, die Parkplätze wegnehmen. Zwischen 1 Uhr nachts und 6:30 morgens gehen nämlich bekanntlich ziemlich viele Leute einkaufen. Und wegen mir können die alle nicht mehr parken. Parke ich vor dem Haus, und der Hausmeister sieht, dass ich, bepackt mit 5 Kartons, 3 Kühlschränken, 7 Fernsehern und 6 Gramm Seidenunterwäsche (kann auch mehr gewesen sein) Richtung Haustüre wackle, fragt er mich zwar nicht, ob er behilflich sein kann, aber macht mich gerne darauf aufmerksam, dass ich doch mein Auto in der Tiefgarage parken soll. 3 Schwere Brandschutztüren und ein enger Kellergang sind nämlich kein Grund, seine Einkäufe erst auf der (öffentlichen) Straße auszuladen.

 Biomüll nicht in Zeitungspapier eingeschlagen sondern nur in eine Papiertüte gepackt? Da muss man aber einen Aushang machen!

 

KAwoompix/Pixabay
Flaschen gehören in Rund, zu Plastik. Logisch, oder?

 

 

Und trotzdem: Wenn ich dann woanders unterwegs bin, dann fehlen sie mir wieder, die Schwaben. Wir sind doch schon ein ganz besonderes Völkchen. Und trotz allem auch irgendwie liebenswert, oder nicht? Gestern stand schon wieder der Kinderwagen von der Familie oben vor den Briefkästen. Ich denke, es ist Zeit für einen Aushang.

 

liebe Grüße, eure

 

Unterschrift

Facebook Kommentare

3 Comments

  • Waltraud
    Januar 22, 2016 14:22

    Herrlich!!! Habe herzhaft lachen müssen… ihr Schwaben seid wirklich ein spezielles Völkchen und du hast einen sehr guten Schreibstil!
    liebe Grüße, Waltraud (eine „sture Hessin“)

  • Christina Dingens
    Januar 22, 2016 14:44

    Für euch die Hölle……für mich sehr amüsant zu lesen. Danke liebe Elli, das du mir die Schwaben mal von einer anderen Seite nahe gebracht hast. Das mit der Mülltrennung geht aber in meinen Norddeutschen Kopf nicht rein. Halte dich wacker du gebeutelte.

  • Mercury
    Januar 23, 2016 13:55

    Nicht zu fassen. Als Norddeutscher und Morgenzombie bin ich froh, in Baden und nicht in Schwaben gelandet zu sein, hier haben wir einen Gärtner und jemanden für den Hausflurputz. Müll wird getrennt in Weinflaschen und anderes Glas, Restmüll und Papierplastik/Plastikpapier.
    Das mit dem bestellen finde ich dreist und greift ins Persönlichkeitsrecht ein. Gruselig.

Leave a Reply

%d Bloggern gefällt das: