Love yourself – aber bitte nicht zu doll!

In letzter Zeit haben meine feinen Antennen wieder sehr viele Schwingungen aufgenommen. Ich denke viel nach, über alles, was so auf der Straße und auf den Social-Media-Kanälen passiert, diskutiert oder geteilt wird. Überall ist immer viel Meinung zu finden. Am liebsten denke ich übrigens in dieser trüben und kalten Jahreszeit in der warmen Wanne nach, mit pink oder lila Badesalz, angenehm duftend. Mit Kerzen und einer Singer-Songwriter-Playlist auf Spotify. Dazu noch ein warmer Tee und ich kann stundenlang und bis ich eine schrumpelige Rosine bin, meinen Gedanken freien Lauf lassen). Etwas, was ich dem Herbst und Winter definitiv abgewinnen kann.

Aber zurück zum Thema, wen interessiert schon die schrumpelnde, dicke alte Frau.

Was vor allem die Curvy Community schon immer teilt ist die Aussage „Love yourself – fange an, dich selbst zu lieben“ und diese Aussage wird immer und überall gefeiert, wird als Ratschlag gegeben, wenn sich ein dickes Mädchen wieder hässlich und ungebliebt fühlt, wird sich ganz groß auf die Fahnen geschrieben. Aber was passiert denn, wenn dieser Grundsatz tatsächlich umgesetzt wird? Wenn jemand beginnt, sich wirklich selbst anzunehmen und ja, sogar zu lieben? Hübsch zu finden und sich dadurch gerne zu zeigen?

Fotos: Mau Hemann

Die Kommentare dazu sind oft vor allem eines: Fies und gemein. Auch wenn wir in unserer Blogger-Influencer-Filterblase uns oft gegenseitig feiern, gibt es da draußen noch eine ganz große Menge an Menschen, die das alles überhaupt nicht lobenswert finden. Sobald eine Frau anfängt, sich zu verwirklichen, zu zeigen, zu beweisen, dass sie stark ist, sich trotz zu vielen Kilos hübsch findet, mit Kleidung experimentiert und Lebensfreude ausstrahlt, holt das genau die Leute auf den Plan, die das alles ganz und gar nicht gut finden. Da ist dann von „viel zu viel Selbstbewusstsein“ die Rede. Arroganz wird ebenso gerne vorgeworfen, wie der Kleidungsstil kritisiert.(Und das ist ja nicht nur bei den Curvies so, sondern wahrscheinlich überall). Hier sieht man zu viel Brust, da zu viel Bein, da wird der Bauch aber nicht ordentlich kaschiert! Na hör mal, so traust du dich auf die Straße?

Anstatt dass wir Frauen feiern, die ihren Weg gefunden haben, nämlich den Weg, den wir ständig propagieren, wird der Neid derjenigen, die sich noch nicht selbst annehmen können also in Hassbotschaften umgewandelt, die eigene Unzufriedenheit mit sich selbst, wird umgeleitet und entlädt sich auf denen die sind wie man gerne sein möchte: Selbstbewusst, mutig und stark.
Jeder noch so kleine Kritikpunkt, jede Schwachstelle wird da dankbar angenommen, damit man darauf herumpoltern kann. Ich beobachte dies sehr oft bei Frauen, die ihren Weg gehen, die sich zeigen und die mutig sind. Natürlich gibt es (gottseidank) viel Applaus, aber leider auch sehr viel Hass.

Ich möchte nicht verallgemeinern. Sicher gibt es viel positives Feedback. Aber oft geht dies in wenigen Hassbotschaften unter. Ein negativer Kommentar wiegt schwerer als 10 gute. Das ist leider so. Und ich behaupte nicht einmal, dass sich die Lästermäuler dessen nicht bewusst seien. Im Gegenteilt, genau dies möchten sie bezwecken. Verletzen und niedermachen. Auf den Boden der Tatsachen herunterholen. Zeigen, dass die ganze hart erarbeitete Selbstliebe ein instabiles Kartenhaus ist, welches schnell zusammenbrechen kann und soll.

Zu diesem Bild gab es ganz viel positives Feedback, und zwar von Frauen! Das fand ich absolut toll, vor allem weil es sich hier eigentlich nur um einen Schnappschuss bei der Anprobe handelt, bewusst provokant und überspitzt. Aber natürlich blieben auch hier wieder die Menschen nicht aus, die unbedingt beschimpfen mussten. 

 

Ich möchte deshalb jede von euch bitten, darüber nachzudenken, was man einem Menschen, den man vielleicht als „zu selbstverliebt“, „arrogant“ oder „vor Selbstbewusstsein strotzend“ abgewinnen kann und welche Eigenschaft man vielleicht für sich selbst herausziehen und annehmen kann. Starke Menschen sollten uns nicht schwächer, sondern stärker machen. Sie sollten Vorbilder sein, an denen wir selbst wachsen, anstatt sie in unseren ganz eigenen Sumpf herabziehen zu wollen. Man muss nicht jeden mögen, man muss aber auch nicht jedem den man nicht mag, gleich vor den Latz knallen, warum man ihn nicht mag. Man muss auch nicht jeden Kleidungsstil toll finden. Aber warum immer gleich beschimpfen und seine Meinung als die einzig wahre durchdrücken wollen? Manchmal hilft es einfach auch, denjenigen nicht mehr zu verfolgen, zu ignorieren oder selbst an sich zu arbeiten, besser zu werden. Auch mir gelingt das nicht immer. Auch ich habe Menschen, bei denen ich mir denke, warum bekommen die immer das größte Stück, warum haben die mehr Erfolg, warum sind sie schöner, schlanker, besser als ich? Aber anstatt zu beleidigen und kleinzureden, arbeite ich an mir selbst, an meinen Zielen, an all dem was ich noch erreichen will. Und mit jedem kleinen Schritt, gewinne auch ich mehr an Selbstachtung, Selbstbewusstsein und Stärke.

Ich wünsche mir, dass wir in Zukunft alle ein stückweit respektvoller miteinander umgehen. Dass wir uns immer überlegen, ob wir genau das, was wir gerade dem Menschen im Internet an den Kopf knallen auch genauso zu einem Fremden auf der Straße sagen würden. Dass wir uns mehr um uns selbst, als um andere kümmern, wenn es um Kritik geht, und mehr um andere als um uns selbst, wenn es um positive Dinge geht, um aufbauende Worte, Hilfe in der Not oder nette Gesten.

 

 

unterschrift

 

 

 

 

 

 

 

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Facebook Kommentare

3 Comments

  • Grinsebacke
    Dezember 11, 2016 14:09

    Liebe Elli,

    das hast du sehr schön geschrieben und das sollte sich wohl jede(r) auf Facebook kommentierende zu Herzen nehmen! Denn genau dort scheint der größte Hass/ Neid etc. geschürt zu werden – leider.

  • Dag/ Queen Mum der Kurven Königinnen
    Dezember 12, 2016 11:19

    Elli, ich persönlich finde dich ausgesprochen attraktiv und mag deinen Stil (bis auf die Katzenbluse) sehr. Das sind die Äusserlichkeiten. Noch mehr aber gefällt mir deine Haltung , dein Selbstbewusstsein und deine Art, über Dinge zu schreiben.
    Das ist natürlich nicht allen Frauen in die Wiege gelegt. Sich zu mögen und vor allen Dingen so zu akzeptieren, wie man ist, fällt sehr vielen Frauen, egal ob dick oder dünn, häufig schwer. In dieser Situation ist es dann einfacher, Andere wegen ihres Erscheinungsbildes runter zumachen; im Grunde genommen eine Minderwertigkeitsreaktion.
    Schönheit liegt im Auge des Betrachters und wir müssen nicht jeden und alles schön finden. Ob wir das dann allerdings mitteilen müssen, ist fraglich.
    Mir macht etwas anderes Sorge…. dass Frauen sich immer noch viel zu sehr über ihr Äusseres definieren. Wir haben doch so viel mehr zu bieten.

    • Elli
      Dezember 12, 2016 12:16

      Der Weg zu Selbstbewusstsein war bei wahrscheinlich fast allen von uns ein langer Kampf. Es gab Zeiten (und ja, diese Tage gibt es auch heute noch), da würde ich mich am liebsten vergraben. Um so mehr freue ich mich über die Tage, an denen ich mich selbst annehmen kann.
      Ich bin mir sicher, würden wir aufhören, die Optik so sehr in den Fokus zu stellen, würden sich viele Mädels und Frauen besser fühlen, weil sie aufhören würden, sich ständig optisch zu vergleichen. Aber dann kommt vielleicht wieder der Neid auf andere Dinge. Eine intakte Familie, einen tollen Job oder ein leben als Weltreisender.
      P.S. Die Katzenbluse musste leider einen grausamen Tod im Wäschtrockner sterben. Gott hab sie selig.

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