Spätsommermelancholie

Kennt ihr das auch? Bei mir kommt es immer im August. Meist fängt es an einem sonnigen Tag an.Ein Tag der wundervoll ist. Den man draußen mit Freunden oder der Familie verbringt. Der warm und perfekt ist. Wenn man abends noch zusammensitzt, grillt und redet und plötzlich merkt, dass die Tage wieder kürzer werden. Dass es schon um 20 Uhr anfängt zu dämmern. 

Wenn ich dann nachhause gehe und das Licht anmache, überkommt mich eine Schwere. Es ist das erste mal im Jahr, dass ich anfange nachzudenken, was so alles passiert ist. Was ich von meinen eigenen Zielen, die ich hochmotiviert am Ende des letzten Jahres herausposaunt habe, schon in Angriff genommen habe. Angegangen, aufgegeben, übertroffen?

Das alles ist noch nicht lange her. Als wäre es gestern gewesen. Die Silvesterparty mit meinen besten Freunden, die große Hoffnung, die ich in 2016 steckte. Die Freude auf lange Tage, warme Sonnerabende, Freibad, See, Gartenparty, Festivals. Meine ganze Hoffnung für das Jahr setze ich immer in den Sommer. Wenn die Tage so lang sind, dass ich sie bis zuletzt auskosten kann. 

 

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Wenn ich an die schönsten Erlebnisse meiner Jugend zurückdenke, so sehe ich immer den Sommer. Kurze Hosen, Wassereis, die Jungs die wir toll fanden auf Gartenpartys mit Walkie Talkies belauschen, weil wir selbst nicht eingeladen waren. Dreckige Knie, Zelten, mit Ghettoblastern durch die Gegend laufen, barfuß. Morgens um 5 noch immer wach sein und der erste Kunde an der Tanke. Noch immer barfuß.

„Im Sommer mache ich dies“ und „im Sommer mache ich das“. Im Sommer brauche ich 1-2 Stunden weniger Schlaf und nutze den Tag intensiver. Vor allem auf diesen Sommer hatte ich mich sehr gefreut, da ich nach einigen dunklen Jahren wieder zu so viel bereit war. Zu so vielem, was ich in den letzten Jahren gesundheitlich nicht mehr machen konnte.

 

Aber habe ich da auch alles gemacht?  Diese Fragen stelle ich mir, wenn der August kommt. Ich war im See baden und ich war viel schwimmen. Wir hatten Gartenfeiern und Grillabende, ich war auf Konzerten und habe einige tolle Feuerwerke gesehen. Ich habe viel Zeit draußen verbracht, mit Familie, Freunden und Pokémons. Ich war viel spazieren, habe die Abendsonne für Fotoshootings genutzt, für intensive Gespräche und als Ausrede, dass ich unmöglich jetzt schon ins Bett kann, auch wenn ich morgen sehr früh raus muss

Auch mit 35 Jahren überkommt mich in solchen Situationen eine diebische Freude. Mein Kindheitstrauma sind spielende Kinder vor meinem Fenster, juchzend und lachend, abends im Sommer, während ich ins Bett musste, weil es schon 20 Uhr war. die Sonne brannte quasi durch die Fensterläden und meine Mutter blieb hart, da half alles toben und heulen nichts. Wenn ich dann heute einfach noch aufbleibe, obwohl der Wecker um 5 Uhr klingelt, weil der Horizont noch so schön blau ist, dann ist das wie Eis und Pizza zum Frühstück: Erwachsensein ist geil. Genau so habe ich mir das vor 30 Jahren vorgestellt.

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Und wenn er dann zur Neige geht, der Sommer der voller Hoffnung, voller Träume und voller Erwartungen (oh Gott, Pathos!) steckte, dann kommt ebendiese Schwere in mir auf. Dann denke ich daran, dass in 2 Wochen wieder Nikoläuse in den Supermärkten stehen. Nein, ich bin noch nicht bereit! HALT STOPP! Es bleibt alles so wie es ist! Gefälligst!

Einmal Welt anhalten bitte. Aussteigen lassen. Ich bin noch nicht soweit. Ich will noch mehr See, noch mehr Grillabende und noch mehr Gartenpartys. Ich will Konzerte, Festivals und Spaziergänge in der warmen Abendsonne. Shootings im Sonnenuntergang und den Geruch von Mückenspray und Sonnenschutz während ich im Gras liege. Das Plätschern im Teich, das geschäftige Treiben der Hummeln und Bienen auf meinem Blumenbeet. Die Beine im Pool baumeln lassen und ein kalter Caipirinha in der Hand. 

Ich will den Sommer für immer. 

 

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