Urlaubsreif

Es ist frustrierend. So sehr. Nie wieder nehme ich meinen Sommerurlaub erst Ende August, schimpfe ich und verfluche mal wieder, dass ich aufgehört habe zu rauchen. Ich bin gestresst. Ich quetsche mich durch enge Straßen, denn in der Ferienzeit sind gefühlt alle Straßen auf dem Weg zur Arbeit gesperrt. Wieder quetscht sich dieser bescheuerte Audifahrer vor mir rein, schon das zweite mal in dieser Woche. Ganz bestimmt ist es auch der selbe wie letzte Woche, und die Woche davor. Die Teermaschine dampft neben mir. Der Mini vor mir trödelt. 

Wiedermal komme ich zu spät. 

 

Ich sehe die Bilder der anderen. Ich weine leise in mich hinein. Ich sehe blaue Seen, Sonne, Meer. Ich schwitze bei schwülen 25 Grad im stickigen Büro. Alle laden ab. Frust und Ärger. Kunden, Mitarbeiter, Kollegen. Wahrscheinlich sind sie alle genauso urlaubsreif wie ich und haben den selben Fehler gemacht. Urlaub am Ende des Sommers, was für eine Scheißidee!

Vielleicht waren sie aber auch besonders schlau, haben ihren Urlaub schon im Juni genommen und sind sauer, weil der Urlaub schon wieder viel zu lange her ist. Ich starre in meinen Bildschirm.Die Füße werden dick und schwer. Ich habe Bewegungsdrang. Ich muss hier raus. Fuck this shit. Ich schmeiß hin und werde Piratenbraut!

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Gewinne den Eurojackpot, werfe alle Akten aus dem Fenster und meinen Computer hinterher. Ich treibe auf meiner Luftmatratze im Karibischen Meer. 

Ich zünde den ganzen Bums an und fang nochmal von ganz vorne an. Ich werde die Welt bereisen, jedes Land der Erde. Auf Elefanten reiten und mit Delfinen schwimmen. Dinge essen, von deren Existenz ich nicht wusste und zu Musik tanzen, die ich noch nie hörte. Sprachen lernen, die ich nicht kannte, mit Menschen reden, die ich nie wieder sehen werde. 

Im Sonnenuntergang über die Wüste schauen, am Lagerfeuer den wilden Tieren lauschen. Glühwürmchen zählen, Schildkröten beobachten. Schluchten durchwandern und an wilden Flüssen campen. Blumenkränze flechten, Vögel fotografieren. 100 tolle Menschen zu einem rauschenden Fest einladen. Wein trinken bis in die Nacht. Auf einem Stein sitzen und über das Universum philosophieren bis in den Morgen. 

Den Amazonas durchschwimmen, im Dschungel übernachten. In eine Baumkrone Klettern und über den ganzen Kontinent schauen. Den Papageien viel Glück auf ihrer Reise wünschen. Auf einer Liane nach unten schwingen und in einer Hängematte schlafen.

Im Zug bis nach Australien fahren. Und überall dort aussteigen wo es mir gefällt. Und überall wo Wasser ist, steige ich eben auf ein Schiff.

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Aber jetzt mache ich erstmal Feierabend. Fahre wieder nach Hause. Ärgere mich über Baustellen, über Audifahrer, über rote Ampeln. Über den verschenkten Tag, den aufziehenden Regen mitten im August. Den Lärm, die Menschen, das geschäftige Treiben. Anonym im Großstadtdschungel. Die Stadt erdrückt mich. Morgen steige ich aus, Breche die Zelte ab. Fang von vorne an. Irgendwo. 

 

Diese Welt wartet doch nur auf mich. Warum hält das Leben mich so fest?

Vielleicht, weil es genau das Leben ist, das ich brauche. Weil ich einfach nur mal wieder 2 Wochen raus muss um zu sehen, dass ich mein langweiliges Leben so sehr liebe. 

 

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1 Comment

  • Vie
    August 23, 2016 17:06

    Hahaha das ist so #true! Allerdings bei mir eher, weil mein Urlaub schon wieder so lange her ist 🙁
    Aber da muss man halt durch..x

    PS: Bei dem Text krieg ich sofort fernweh – richtig schön geschrieben!

    xx Vie
    von http://www.viejola.de

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