Die Sonntagskolumne – Lagerkoller auf Kreta (Gedanken meiner Gastautorin)

Ich bin stolz und freue mich sehr, dass ich es nach jahrelanger Überzeugungsarbeit endlich geschafft habe, meine liebe Kollegin und Freundin Sabi, auch genannt Randaline, als Gastautorin für meinen Blog zu gewinnen. Unsere Kommunikation lässt mich regelmäßig Tränen lachen, unsere rhetorischen Kapriolen könnten schon ganze Bücher füllen.

Zu verdanken habe ich die Tatsache, sie für Kolumnen zu gewinnen,  einem perfiden Plan. Ich habe Randaline nach Kreta geschickt und sie nach 2 Wochen Leidenszeit bestochen – entweder du schreibst jetzt für mich, oder du darfst nie wieder nach Hause. Die Erpressung hat gewirkt und ich hoffe, dass wir noch öfter hier von ihr Lesen können.

 

Vorhang auf für Randaline!

 

Liebe Fashionellifreundinnen! Darf ich mich vorstellen?

Ich bin die hier und da bereits erwähnte „liebe Kollegin“. Die, die in Ohnmacht fällt, wenn Sneaker zum geblümten Dress kombiniert werden. Die mit dem besten Bed&Breakfast in Düsseldorf, ganz klar. Und die, die ab sofort gastbloggergemäß durch unzensierte Beiträge Ellis Lesern immer wieder bewusst macht, dass sie ein fabelhaft sonniger Mensch ist, der sicher keinen F-Promi in Verlegenheit bringen würde. Im Gegensatz zu – genau. Hello!

 

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Kleiner Einblick gefällig? 

 

Ich befinde mich im Relaxurlaub auf Kreta mit zu wenig Klamotten und zu viel Kosmetik. 9 Tage brauchte mein Kopf, um das Stadium der bewussten Lethargie zu verlassen. Und plötzlich, ohne Warnung, bin ich wieder wach. Gehirn-Kickstarts sind ganz verkehrt, wenn man noch 3 Tage vor sich hat. Es ist beim Abendessen passiert: Ich begrüße den Oberkellner. Ich verbeuge mich leicht vor dem Chefkoch. Nehme Platz. Und sehe plötzlich ein iPad. Noch eins. Und höre diese auch in nie wahrgenommener Lautstärke. Toy Story? Ah, so läuft das. Ohne Animation setzt man sein Kind, das maximal 1,5 ist, vor elektronische Devices, damit es in Trance gerät. Gewieft. Wie haben unsere Eltern das bloß mit uns geschafft, ohne Smartphones und Tablets? Wahrscheinlich sind sie nie zum Essen gekommen und waren damit beschäftigt, Spinat von ihren Kleidern zu wischen und Kartoffelpüree einzusammeln. Aber hey, positiv: Sollte die Entwicklung dadurch verzögert sein, können die Tabletkids ihre Eltern mal mithilfe von Google Legal Services verklagen.

 

 

Mein Gehirn funkt S.O S

 

Ich habe diesen Lagerkoller. Mein Gehirn muss so etwas wie S.O.S. an Augen und Ohren gefunkt haben. Plötzlich sehe ich jedes schlechte Tattoo, jedes Goldkettchen, jede chinesische Vuitton-Tasche. Höre jeden Tennisball, und zucke bei jeder engen 80er-Badehose zusammen. Sind die wieder in style? Oder sind die einfach noch aus den 80ern?

 

Zurück zum Essen: Gab es schon immer den Sänger, der sich zwischen Folklore und Love me tender nicht entscheiden kann? Ich bin relativ sicher, dass die in Tracht gekleidete Griechin, die Ringelpietz mit Anfassen vorführen muss, tagsüber in einer geretteten Bank arbeitet und irgendwann das Hotel mit ihrer Kalaschnikow betreten wird, da sie den deutschen Rentner, der ihr (nachdem er ihr großzügig 60 Cent Trinkgeld zugesteckt und an den Hintern gegrabscht hat) sagt: „Dariaaaa! Ja, wie die berühmte Biathletin! Kennen Sie nicht??? Daria! Kennt man doch!“ nicht mehr erträgt.

 

Goldkettchen und enge Badehosen

 

Als ich vor ca. 30 Jahren im Kleinkindalter war, also zu der Zeit, in der man die engen Badehosen getragen hat, fanden sich alle Kinder am Urlaubsort ohne Absprache am Strand und bildeten eine bunte, laute, fidele Kinderkolonie. Keine Ahnung, was die Eltern gemacht haben. Sich Oropax gewünscht, eventuell. Hier spielt kein einziges Kind mit einem anderen, stattdessen sind ca. 12 Mütter allein mit Kind im Wasser und 8 Väter räumen Eimer und Schippe umgehend weg, sobald Mini nicht hinsieht.

Ich zähle 7 Goldkettchen bei Herren über 50. Arbeiten die alle im Rotlichtmilieu? Nein nein, sicher Erbstücke. Von Mutter. Mit bewegender Geschichte dahinter.

Gerne würde ich es mir visuell gutgehen lassen, aber die Badehosenfraktion lässt dies nicht zu. Ständig schieben sich Umrisse ins Blickfeld, die man nicht mal erahnen möchte.

 

Eher Uschi Krawulke als Cameron Diaz

 

Dinge, die nicht immer so funktionieren, wie sie sollten. Heute: Die unerträgliche Schwierigkeit bewusster Sexiness. Mein Strand ist sandig, aber ca. 1 m Richtung Meer verstecken sich unsichtbare mittelgroße Kieselsteine im Wasser. Absichtlich platziert von gelangweiltem Personal, um wenigstens 3 Mal am Tag lachen zu können, und zwar dann, wenn eine Frau zwischen 16 und 40 vergisst, dass das Wasser elegant zu verlassen völlig hypothetisch ist.

 

Ja, auch ich gehöre zu den Damen, die den Sitz ihrer Möppies geprüft, die Bikinihose gerade gerückt und das Haargummi gelockert haben,  um den nicht existenten Herren diesseits der 80 einen bewundernden Blick zu entlocken. Der Aphrodite-Fail! Die Kieselfalle kann ca. 30 cm hinausgezögert werden, aber dann beginnt das Straucheln. Halb Pinguin, halb James nach diversen „Cheers, Miss Sophie“ strauchelt jede Schönheit im zeitlupentempo gen Küste, krampfhaft das Gleichgewicht haltend, aber mit der Wucht der Wellen im Rücken prädestiniert, mit mittelgroßer Aufmerksamkeit seitlich ins Wasser zurückzufallen.

 

Eher wie Uschi Krawulke aus Bottrop als Cam Diaz mit Surfbrett am Strand von Malibu. Danach folgt die Phase des „War was?!“: Natürlich wollte man sich von Anfang an und sowieso noch eine Weile ins flache Wasser legen. Arme angewinkelt,  ein Knie hochgezogen, Haare schütteln und das Meer und den „alles schon gesehen aber immer wieder lustig“-Lifeguard (Fuck you!) anlächeln.

Und während man dort liegt und sich ruhig verhält, beißt einen ein Meerestier in die Wade.

Noch jemand da? Ich entspanne nun wieder. Es braucht dafür nur ab und zu ein Ventil des ungezügelten Krawalls, das mir meine sonnige Freundin hiermit zur Verfügung stellt.  Für jeden kreativen Input bin ich dankbar.

Falls es jemand bis hierher geschafft hat: Merci! Meinerseits gerne wieder!

 

 *Beitragsbild: Death to Stock

Facebook Kommentare

3 Comments

  • Juliane
    September 29, 2014 05:33

    Was habe ich gelacht. .. du bist eine großartige Schreiberin. Würde mich freuen öfter was von dir zu lesen. Bei mir kommen gerade die Erinnerungen aus meinem Griechenland Urlaub wieder, im Mai, Auf Kos, gerade Saisoneröffnung und die Animateure, die verzweifelt um Aufmerksamkeit betteln. Danke für die Kolumne.

    Lg Juliane

  • Das Wusel und der Pax
    September 29, 2014 10:15

    Ganz mein Humor! Köstlich! Bitte mehr davon 😉 Warum? Weil ich immer wieder zustimmend mit dem Kopf nicke und so viel wiedererkenne und es einfach und lustig auf den Punkt gebracht wird.

  • Berto Latsche
    September 29, 2014 12:22

    Spritzig, witzig, äußerst fabulös! Bitte ein Buch schreiben und zur Signierstunde laden, ich bringe meinen Campingstuhl schon einmal in Form!

    Berto

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